# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S264 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 264 Das sogen. tausendjährige Reich. an der Kuppel des Königlichen Schlosses leuchtet uns die Aufschrift entgegen: „Es ist in keinem Anderen Heil.“*) Unsere Regenten rechnen es sich zur Ehre, unsere Kirchen zu bauen und bei ihrer Einweihung zugegen zu sein. Unsere Landtage werden mit einem Gottesdienste eröffnet. In den Thron⸗ reden wird Gott die Ehre gegeben. Unsere Gesetze gebieten, daß der Tag des Herrn geheiligt werde. Die Grundlage unsers Schulwesens bildet bis auf den heutigen Tag das Wort Gottes. So viel auch der Satan machiniren und theilweise erreichen mag, so sehen wir doch noch auf allen Schritten und Tritten und selbst auch in den Verhandlungen über das Ehegesetz, daß das Thier bereits ergriffen und in den Feuersee geworfen ist. Das sind die Gründe gegen den Chiliasmus, welche die Apokalypse selbst darbietet. Wenden wir uns nun zu den übrigen Büchern des Neuen Testa⸗ ments, so ziehen vor Allem die Gleichnisse unsers Herrn von dem Reiche in Matth. 13. unsere Aufmerksamkeit auf sich. Fassen wir zuerst das Gleichniß vom Unkraut unter dem Weizen ins Auge. Die praktische Tendenz dieses Gleichnisses, wie sie besonders in den Worten hervortritt, welche die Diener des Herrn zu ihm sprechen: „Herr hast du nicht guten Samen gesäet auf dei⸗ nen Acker, woher denn hat er das Unkraut“, ist die, dem Anstoß zu wehren, der für den Glauben aus dem Widerstreit zwischen dem Wesen des Reiches Gottes und seiner Erscheinung hervorgeht. Dieser Widerspruch dauert fort bis zu der Zeit der Ernte, bis „am Ende dieser Welt“. Alsdann „wird des Menschen Sohn seine Engel senden und sie werden sammeln aus seinem Reiche alle Aergernisse, und die Unrecht thun, und werden sie werfen in den Feuerofen: da wird sein Heulen und Zähneknirschen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reiche ihres Vaters.“ Der hier bezeichnete Endpunkt des Widerstreites fällt jenseits der tausend Jahre. Nachdem über diese und die nach ihnen folgende neue Schilderhebung gegen die Kirche berichtet worden, heißt es in Apok. 20, 12. 15.: „Und es wurden gerichtet die Todten nach der Schrift in den Büchern nach ihren Werken. — Und wenn jemand nicht ward geschrieben gefunden in dem Buche des Lebens, der ward geworfen in den Feuersee.“ Es liegt am Tage, daß der Feuersee dem Feuerofen entspricht. Hienach nun geht es in den tausend Jahren nicht anders zu, als in der Zeit, welche von unsern Chiliasten herabsetzend die Kirchenzeit genannt wird. Es gibt auch in ihnen Unkraut, viel Unkraut, so viel, daß man gar leicht an dem himmlischen Säemann irre werden kann. Es gibt auch in ihnen zahlreiche Söhne des Bösen, Aergernisse, solche die Un⸗ recht thun, einen Geist des Schlafes. Auch in ihnen hat die Geschichte zwei Factoren, den Menschensohn und den Teufel, dessen Bindung während der tausend Jahre vorsichtig beschränkt werden muß, wenn man nicht mit diesem Worte des Herrn in direkten Widerspruch gerathen will. Als der, welcher das Unkraut, die Söhne des Bösen säet, wird der Teufel bezeichnet. Der Zustand *) In der Zeit der Herrschaft des Thieres waren andere Aufschriften üblich. Die Grabschrift des Darius Hystaspis z. B. lautete nach Athenäus: „Ich konnte vielen Wein trinken und ihn gut vertragen.“