# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S263 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das sogen. tausendjährige Reich. 263 Gebrauch der Hurerei in der heiligen Schrift, zuerst zur Bezeichnung des Ab⸗ falls von Gott, dann zur Bezeichnung des Liebeheuchelns im Interesse der Selbstsucht, der bloßen Handelsfreundschaft und der ihre zerstörerischen Ge⸗ lüste unter dem Scheine der Liebe versteckenden arglistigen Politik, wie sie bei eroberungslustigen Völkern und Kaisern überall mit der rohen Gewalt Hand in Hand geht, bis auf den heutigen Tag. Es liegt am Tage, daß in der Apokalypse die Hurerei in dem letzteren Sinne gebraucht wird.“ Ferner er⸗ scheint die Hurerei K. 18, 3., wie auch in K. 14, 8. als der „Zorneswein“. „Das paßt nicht auf den Abfall von Gott, das paßt allein auf die liebeheu⸗ chelnde Politik, hinter welcher der Zorn, der Geist des Kainitischen Bruder⸗ hasses verborgen ist. Mit der Hurerei ferner wird hier die Ueppigkeit ver⸗ bunden. Diese geht wohl mit der selbstsüchtigen Politik Hand in Hand, welche dem Luxus die Mittel darbietet, nicht aber steht sie mit dem Abfall von Gott in so direkter Verbindung.“ — Daß aus dem Parallelismus in K. 17, 3. und 12. „das Weib entfloh in die Wüste“ folge, daß, weil hier das Weib die Kirche sei, auch K. 17. das Weib die Kirche und zwar in ihrer Ent⸗ artung sein müsse, sei ein durchaus unberechtigter Schluß. Die Bezeichnung als Weib sei nicht für die Kirche charakteristisch, vergl. Jes. 47, 1., sondern das Charakteristische liege in dem, was weiter von dem Weibe ausgesagt wird. Dies sei nun beiderseitig völlig verschieden. Der Zusammenhang zwischen beiden Weibern sei nur der des Gegensatzes. Auch daß die Wüste bei beiden Weibern vorkommt, sei nicht zufällig. Es erkläre sich aus K. 18, 3. und K. 13, 10.: „Hat das unreine Weib über den vielen Wassern die reine Braut des Lammes in die Wüste gedrängt, sie in den Stand des Leidens und der Entbehrung versetzt, so ist das die factische Weissagung ihrer eignen Verwü⸗ stung. Wüste gegen Wüste, das ist ein weltgeschichtliches Gesetz, welches sich schon oft realisirt hat.“ Ferner behauptet Hengstenberg, das Thier der Apokalypse sei der heid⸗ nische, gottfeindliche Staat, also benannt von seinem niedrigen, irdischen, von allem, was Gott oder Gottesdienst heißet, entfremdeten Sinn. „Das Thier nun wird in der Apokalypse vor dem Beginnen des tausendjährigen Reiches gegriffen und in den Feuersee geworfen, K. 19, 20. Bis dahin hat es die Herrschaft auf der Erde. Steht das tausendjährige Reich noch bevor, so ist die unmittelbare Folge die, daß der heidnische Staat in seinem bestialischen Cha⸗ rakter noch fortdauert, daß es bis dahin noch keinen christlichen Staat gegeben hat. Solches behaupten aber würde heißen, sich an dem Worte Christi ver⸗ sündigen: „ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“, und zugleich aller geschichtlichen Wahrheit ins Angesicht schlagen. Selbst jetzt, da wir in der Zeit leben, in welcher der Satan losgeworden ist aus seinem Ge⸗ fängniß, tragen unsere Staaten noch immer die wesentlichsten Merkmale der Christlichkeit an sich, und jedes gesunde Gefühl muß sich gegen ihre Ver⸗ weisung in das Bereich des Thieres empören. Fassen wir unser nächstes Vaterland ins Auge, so wird der Regierungsantritt unseres Königes durch das Wort bezeichnet: „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen“, und