# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S261 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein Wort über die Unsitte: Glaubensartikel zu offenen Fragen zu machen. 261 Das Vorstehende wird hinreichen zu erkennen, um was es sich hier han⸗ delt. Wer Glaubensartikel zu offenen Fragen macht vergreift sich an dem Heiligthume der christlichen Lehre, bricht Perlen aus diesem Diademe der Kirche, um sie dem Zweifel zum Fraß vorzuwersen und versucht, wenn nicht mit bewußter Absicht, doch durch die That, die Kirche von dem Felsen, darauf sie gebaut ist: von dem Worte des lebendigen Gottes, das in der heiligen Schrift uns geoffenbart ist, herabzuziehen. Wir setzen folgende Sätze entgegen: 1) Es ist überaus lächerlich, zu sagen: Von der Kirche von Anfang an für Glaubensartikel gehaltene Lehren sind darum noch nie Glaubensartikel gewesen, weil jetzt Etliche über diese Artikel noch nicht klar werden konnten. 2) Es ist eine Schmähung der christlichen Kirche, zu sagen: sie habe bis auf diese Stunde nicht gewußt, was sie sei; und eine Schmähung der ganzen Reihe rechtgläubiger Hirten und Lehrer, welche der HErr der Kirche von Anfang an geschenkt, zu sagen: sie haben, ohne Ausnahme, nicht gewußt, worin ihr Amt bestehe. 3) Es ist etwas Monströses, zu behaupten: Die Unwissenheit sei jetzt die Lehrerin der Christenheit, die zu bestimmen habe, was Glau⸗ bensartikel sei und was nicht. Hielte aber Jemand die eigene Lehre nicht für ungewisse „Anschauung,“ sondern für göttliche Wahrheit und forderte demnach für den Widerspruch gegen sie eine gleiche Be⸗ rechtigung in der Kirche, so wäre das vermaledeite Bosheit. 4) Auch die Behauptung ist ein Monstrum: Weil der Gegensatz eine Wahrheit erläutert, so muß die Kirche diesen Gegensatz wenigstens theil⸗ weise eine Zeitlang für Wahrheit halten und in ihrem Leben darstellen, ehe sie die Wahrheit erkennen kann. 5) Es ist eine Beleidigung des heiligen Geistes, zu sagen, daß kein erleuch⸗ teter Christ ohne die Entscheidung der Kirche Seine Worte in der hei⸗ ligen Schrift verstehen könne. 6) Glaubensartikel zu offenen Fragen machen heißt geoffenbarte Lehren in Vernunftprobleme und den christlichen Glauben in heidnisches Suchen nach Wahrheit verwandeln. Daher die Verkehrtheit, den Zweifel und die Ungewißheit in Artikeln der christlichen Lehre höher zu stellen, als den einfältigen Glauben und das feste Fürwahrhalten der geoffenbarten Lehre. 7) Es ist theologischer Unverstand, von einem „Fertigmachen“ der Glau⸗ bensartikel zu reden. 8) Es ist eine schwere Verirrung lutherischer Theologen, die alleinige Auto⸗ rität der sich selbst auslegenden Schrift in Glaubenssachen zu unter⸗ graben und die der Kirche an ihre Statt zu setzen. 9) Es ist ein den Glauben zerstörender Irrwahn, die Gewißheit des Glau⸗ bens und die Erkenntniß der Wahrheit von der zukünftigen Entschei⸗