# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S259 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein Wort über die Unsitte: Glaubensartikel zu offenen Fragen zu machen. 259 Lehre streiten und denen, die diese Lehre verwerfen, die Kirchengemeinschaft aufsagen. Diese Sätze, kurz und allgemein gefaßt, ergeben Folgendes: Die Kirche nur macht Glaubensartikel. Die Lehren der Schrift sind vor ihrer Aufnahme als kirchliche Lehre in das Symbol nur theologische Probleme. Es ist Irr⸗ thum und Sünde, Lehren der Schrift für Glaubensartikel zu halten, ehe sie von der Kirche dazu gemacht sind. Offene Frage also heißt ein solches theologisches Pro⸗ blem, das von der Kirche zum Glaubensartikel zu erhe⸗ ben ist, sobald die Glieder derselben darüber einig ge⸗ worden sind. Im „Correspondenzblatt der Gesellschaft für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche,“ October u. f. 1859, in welchem die Lehren von der Kirche, vom Kirchenamte und von den letzten Dingen für offene Fra⸗ gen erklärt werden, spricht sich Bauer, Inspektor der Missionsanstalt in Neuendettelsau, in einem Aufsatze der den Titel trägt: „Die Gefahren, welche der lutherischen Kirche gegenwärtig aus ihrer eigenen Mitte und von ihren treuesten Freunden drohen,“ u. A. so aus: Von Rechtgläubigkeit kann nur die Rede sein „in allen den Sätzen, die durch den Streit hindurch gegangen und symbolisch festgesetzt sind. Wird ein Lehrpunkt streitig, so treten verschiedene Richtungen, die bisher un⸗ angefochten neben einander gingen, als Gegensätze heraus, von denen jede den streitigen Punkt zu einem andern Ziele, das sie für das rechte er⸗ kennt, führen will.“ Von solchen Richtungen in der rechtgläubigen Kirche ist nicht die eine oder die andere für ungesund zu halten „denn von denen muß die Kirche heil zu werden suchen, wie von einer Krankheit,“ son⸗ dern sie sind beide „berechtigt und nothwendig,“ „denn fehlten sie, so wäre die Kirche im Zustande des Todes,“ „ohne sie kann die Kirche gar nicht bestehen, ohne geistlich todt zu sein;“ „sie sollen nach Gottes Willen (während sie aus⸗ einandergehen zugleich!) zusammengehen und zusammenwirken.“ — Also auch hier ähnlich wie oben: Vor der Entscheidung der Kirche über eine biblische Lehre ist diese weder für wahr, noch für falsch, überhaupt noch nicht für einen Glaubensartikel zu halten; die Lehre der Schrift und der Widerspruch oder Gegensatz gegen sie sind beide vor dieser Entscheidung gleich berechtigt, ja nothwendig; sie sollen nach Gottes Willen zusammenwirken um den erst im Werden begriffenen Glaubensartikel auszubilden, der, weil er nur von den Menschen erzeugt werden kann, das menschliche Wissen und Streben aber einseitig ist, nur aus dem Zusammenwirken der Gegensätze als die Frucht menschlicher Geistesthätigkeit endlich hervorgeht. Nur wird „das Schweben und endliche Fertigwerden“ der Glaubensartikel von Bauer anders gefaßt, als von Löhe. Was bei Letzterem durch gemeinsames Suchen und fried⸗ liches Prüfen des Satzes und Gegensatzes unter Anrufung und Leitung des heiligen Geistes im Verlaufe der Zeit zu Stande kommt, geschieht bei Bauer durch einen, den allgemeinen Naturgesetzen unterworfenen, Natur⸗