# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1860_S257 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VI. September 1860. No. 9. Ein Wort über die Unsitte: Glaubensartikel zu offenen Fragen zu machen. „Das Wort sie sollen lassen stahn Und kein Dank dazu haben.“ Keinem nur einigermaßen über den jetzigen Zustand der lutherischen Kirche Unterrichteten kann entgangen sein, daß es in unserer Zeit Lutheraner giebt, welche gewisse Artikel des christlichen Glaubens für „offene Fragen“ erklären, je länger je mehr in dieser Erklärung Anhänger finden und dies Irrsal unter dem Scheine einer geförderteren Erkenntniß auszubreiten suchen. Noch ist das Zeugniß der Wahrheit, so weit des Schreibers Erfahrung reicht, nicht hinreichend erhoben worden, um der Ausbreitung dieser geistigen Seuche durch Gottes Gnade wehren zu helfen. Die folgenden wenigen Zeilen sol⸗ len nur eine Hinweisung geben auf die Sache, um die es sich handelt, um wo möglich und nöthig alle Liebhaber des göttlichen Wortes und unseres heiligen Glaubens, die sie etwa erreichen mögen, auf jene gefährliche Unsitte aufmerksam zu machen, und diejenigen, welche fähig sind die Waffen des Geistes auch gegen diesen neuen Anschlag und Höhe, die sich erhebt wider das Erkenntniß Gottes, zu führen, an Pflicht und Beruf zu erinnern. Ein entschiedenes Urtheil in dieser Sache ist ohne die Einsicht in den Sinn des Ausdrucks „offene Frage“ nicht möglich. Den Sinn jenes Aus⸗ drucks aber haben wir bei denen zu suchen, welche die genannte Unsitte in die Kirche eingeführt haben und festhalten. Wir beginnen mit Löhe. Derselbe schreibt in seiner Schrift: „Unsere kirchliche Lage ꝛc.“ vom Jahre 1850 Folgendes: Ob die Ordination ein we⸗ sentliches Stück des ordentlichen Berufes ist oder nicht „kann füglich als noch schwebende Sache, als offene Frage innerhalb der lutherischen Kirche betrachtet werden.“ (S. 109). „Die alten Lehrer sind nicht einig, die Sym⸗ bole haben keine allseitigen, durchweg genügenden Bestimmungen, die Schrift ist in den betreffenden Stellen nicht einmüthig aufgefaßt — und die Lehre von der Ordination ist eben eine von denen, .. auf deren einmüthiges Ver⸗ ständniß erst durch Satz und Gegensatz hinzuwirken ist.“ (S. 112). „Was unklar ist, ob die Ordination allgemein befohlen, also göttlich ist, oder nicht, darüber abzuschließen lasse man sich Zeit.