# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S253 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 253 II. Ausland. Die Jahresfeier der evangelisch⸗lutherischen Mission zu Leipzig. Die Pfingstwoche versammelte zum Jahresfest und zur Generalversammlung unserer evangelisch⸗lutherischen Mission auch in diesem Jahre zu Leipzig eine große Zahl von Missionsfreunden von nah und fern. Viele lutherische Kirchen waren durch Deputirte vertreten, die preußische Kirche durch Sup. Wermelskirch, Braunschweig durch Dompr. Thiele, Mecklenburg⸗Schwerin durch Präpos. Salfeld, Mecklenburg⸗Strelitz durch Rector Becker, Lauenburg durch Past. Hagen, Ratzeburg durch Past. Kämpffer, Waldeck durch Past. Rocholl, Kurhessen durch C.⸗R. Hoffmann aus Cassel, Großherz. Hessen durch Past Vinkmann, Hannover durch Cand. Steinmetz, Rußland durch Prof. Harnack, Hamburg durch Kaufm. Reils, Thüringen durch Gen.⸗Sup. Leo aus Rudolstadt, Altenburg durch Sem.⸗Dir. Runkwitz, Greiz durch Past. v. d. Trenk (durch nöthig gewordene Uebertragung), Bayern durch die Past. Reuter, Rüdel und Dietzel, die Franckischen Stiftungen durch Dir. Kramer, Sachsen durch die Past. Ahlfeld, Siedel und v. d. Trenk. — K.⸗R. Langbein und Kammerherr v. Friesen waren leider verhindert zu erscheinen. Schon Dienstag den 29. Mai begrüßten sich viele Freunde im Missionshaus und anderwärts. Der Gottesdienst in der Nicolaikirche begann Mittwochs 9 Uhr unter zahlreicher Betheiligung der Gemeinde mit dem Liede: „Komm heiliger Geist Herr Gott“, Liturgie und Vorlesung von Ps. 96., worauf nach dem Gesang des Liedes: „Es woll uns Gott genädig sein“, Past. Rocholl aus Sachsenberg im Waldeckschen über Joh. 14, 27.: „den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ eine aus den Tiefen biblischer Lehre und Geschichte geschöpfte, durch Fülle der Gedanken und Anschauungen fesselnde Predigt über den Frieden Jesu Christi hielt, in welcher er, den Worten des Textes Schritt vor Schritt folgend, zuerst ausführte, was das für ein Friede sei — der am Kreuz erworbene, in Jesu Wunden, in seinen Segenshänden ruhend —; zum Andern, daß dieser ein thatsächlich vorhandener sei und in den Gnadenmitteln dargeboten werde; zum Dritten, daß er uns gelassen werde, nicht bloß über, nicht bloß unter, sondern in uns sei und von uns, von der Kirche hinausgetragen werden solle, wie die Töne der Glocke in die Ferne schallen; zum Vierten, daß es sein Friede sei, nicht der Weltfriede, nicht unser eigner Friede, sondern sein Friede, der uns stärkt zum Gang und kräftigt zum Streit. So sollen wir denn im Glauben dem Sieg entgegengehen, nicht nach Zeichen und Wundern ausschauen, sondern in Kraft der Gnadenmittel und im Namen Jesu unsres Kriegsobersten. War bei dieser Predigt die Mission selbst vielleicht etwas zu kurz gekommen, so trat dafür nach dem Gesang des Verses: „Mit unsrer Macht ist nichts gethan“, der Bericht unsres neuen Directors Hardeland ein, der, anknüpfend an das Schluß⸗Wort des 50. Psalms: „Wer Dank opfert, der preiset mich; und das ist der Weg, das ich ihm zeige das Heil Gottes“, nach einer erwecklichen Ansprache an die Gemeinde, überging auf die Mittheilung des Erwähnenswerthesten aus der Geschichte unsrer Mission im letzten Jahr. Dahin gehört zunächst das Betrübende — das Ausscheiden mehrerer Missionare um der Kastenfrage willen. Wolff ist schon seit länger ausgetreten, Ochs folgte ihm nach und hält sich, von der Heimath und reichlich von Engländern unterstützt, in der Nähe unsres Missionsgebiets auf, zusehend, ob er eine Gegenmission gründen könne; Wendlandt ist in die Harms'sche Mission übergetreten, wozu er schon geraume Zeit, ehe er sich von der unsrigen schied, Vorbereitungen getroffen hatte; Meischel hat sich auf den schon früher vom Collegium ihm ertheilten Rath hin nach Australien gewandt und ist dort in Kirchendienst eingetreten. Aber auch in der Heimath haben sich einige lauenburgische Brüder, 10 an der Zahl, von der Gesellschaft getrennt und suchen, wie scheint, ein besonderes Werk zu organisiren. Hoffentlich gelingt es ihnen auch ferner nicht, Andere ihnen nach vom gemeinsamen Werk abwendig zu machen. Zwar hat Moraht, der es gewiß redlich meint, aber von dem Gedanken, daß Kaste identisch mit Heidenthum sei, wie von einer fixen Idee beherrscht und daher für Belehrung gegenwärtig unzugänglich ist, in einer eignen Schrift über diese Frage, auf welche er sodann eine zweite von Ochs über die Kaste folgen ließ, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen gesucht, und es ist ihm dieß auch vielleicht hie und da gelungen, da ja die Kaste etwas uns so