# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S252 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 252 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. hyperorthodoxen Lutheraner in diesem Lande beschuldigten sie des Abfalls vom Glauben der Kirche und deshalb begehrten sie von der Synode, sie möge die Augsburgische Confession unbedingt annehmen. Die Lockspeise habe bei den Amerikanern gezogen und nur deshalb hätten sie in die Veränderung gewilligt. — Schmach über solchen Schacher und Betrug mit einem öffentlichen Bekenntnisse! Aus der Generalsynode. Der „Luth. Observer“ vom 29. Juni enthält einen Aufsatz, welcher die Lage der Dinge in der Generalsynode und die Gesinnung vieler Glieder derselben unverholen darlegt. Nachdem der Fortschritt des „Symbolism“ in der Generalsynode und die starre Unnachgiebigkeit der Symbolisten besprochen ist, und zwar der erstere mit etwas Uebertreibung, fährt der Observer fort: „Aber was können wir thun? Ja, das ist die Frage. Nun ich will meine Ansichten frei und furchtlos darlegen: wir müssen uns trennen — und je eher desto besser. Wir müssen neue Synoden organisiren und die Basis der Generalsynode oder eine ähnliche annehmen. Wir können nimmermehr die Irrthümer der Augsburgischen Confession unterschreiben. Das ist der Grund all unsrer Verlegenheiten, und so lange dieser Stand der Dinge dauert, werden wir keinen Frieden haben. Laßt eine Trennung vor sich gehen; laßt diejenigen, welche die Irrthümer des 16. Jahrhunderts, die längst von der Bühne gepfiffen sind, verschlucken können, sich unter dies Banner stellen: „„Der wahre Leib und das wahre Blut Christi auf natürliche Weise in den Elementen“ “, und auf der Rückseite: „„Wiedergeburt durch die Taufe und priesterliche Absolution wahrem Lutherthum wesentlich.“““ Das ist die Theologie der Symbolisten, und sie ist nicht anders zu verstehen. Diese papistische Theologie können und wollen wir in Amerika nicht unterschreiben. Denn es ist eine Theologie, die nicht aus der Bibel, sondern aus der römischen Kirche geschöpft ist.“ Darauf wird gesagt, daß die Reformatoren, da sie im Dämmerlichte einer neuen Zeit gelebt hätten, noch nicht alle Irrthümer des Papstthums hätten abschütteln können, und zum Beweis dafür ein Wort Luthers angeführt, worin derselbe sagt, daß sie um der Schwachen willen etliche Gebräuche beibehalten hätten, und daß er hoffe, sie würden in Zukunft durch den Beistand des heil. Geistes mehr thun können. Von Lehren aber, um welche allein es sich hier handelt, sagt Luther kein Wort. — Man weiß in der That nicht, worüber man bei dem Gerede des Observer mehr staunen soll, über die Ignoranz, womit er der Augsburgischen Confession und denen, welche den Glauben derselben im Herzen tragen, die Irrlehren von einer natürlichen Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl und von der Nothwendigkeit einer priesterlichen Absolution zur Last legt, oder über die Unwahrhaftigkeit, womit Leute, welche so zur Lehre und zum Bekenntniß unserer Kirche stehen, sich noch immer den lutherischen Namen anmaßen. Neben dieser Unehrlichkeit ist es jedoch allerdings erfreulich, daß die Feinde des lutherischen Glaubens innerhalb der lutherischen Kirche dieses Landes nun selbst anfangen, einzusehen, daß sie nicht in die Gemeinschaft derer gehören, welche sich aufrichtig und entschieden zum Glauben Luther's bekennen, und darum auf Trennung dringen. — Aus der Masse leeren, wilden Geschwätzes, das den Inhalt des in Rede stehenden Aufsatzes ausmacht, will ich zum Schlusse nur noch folgende characteristische Worte auswählen: „Laßt uns unsere Meinungen vor der Welt aussprechen. Wir sind nicht bloß eben so gut, sondern weit besser zur Abfassung eines Glaubensbekenntnisses befähigt, als diejenigen, welche vor 300 Jahren lebten. Wir haben jetzt Männer in unsrer Kirche, welche eben so viel von der Bibel und der Theologie verstehen, als unsre Väter. Wäre dies nicht der Fall, so müßten wir dumme Schüler, ein entartetes Geschlecht sein“ ꝛc. ꝛc. Ist es wohl denkbar, daß ein Mann, der so reden kann, sich jemals mit den Werken irgend eines großen Theologen unserer Kirche bekannt gemacht habe? Wenn er es noch thäte, mit ernstlichem Verlangen nach Wahrheit, so würde er inne werden, daß die Lehre der lutherischen Reformation in allen Stücken die Lehre des Herrn Jesu und seiner Apostel ist, daß also auch die theuere Augsburgische Confession nur göttliche Wahrheit enthält, eben weil sie aus der heil. Schrift genommen ist, welche Wahrheit nur der fleischlichen Vernunft als Irrthum erscheinen kann; auch würden ihm die Theologen unserer Tage und namentlich er selbst im Vergleich mit einem Luther und seinen Geistesverwandten so klein vorkommen, daß er mit Freuden bereit sein würde, sich demüthig zu den Füßen derselben zu setzen und sein Leben lang von ihnen zu lernen. — S.