# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S246 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 246 Das sogen. tausendjährige Reich. neulich selbst die Kaiserin Eugenie mit Karl dem Großen contrastirt haben soll, indem sie den jetzigen Napoleon fragte, ob er dem Vorbilde Karls des Großen oder Napoleons des ersten folgen wolle. Wir stoßen auf eine Zeit, in welcher der Geist des Abfalls durch die Völker hindurchgeht, in der die Herrschaft des christlichen Principes gebrochen ist, in welcher sich eine der Kirche und ihrem Herrn abgewandte öffentliche Meinung bildet, in der edlere Regungen des Volksgeistes, wie unter uns „die herrliche Zeit der Befreiungskriege,“ bald wieder absterben und sind „gleich der Morgenwolke und gleich dem Thau, der da früh verschwindet.“ Das also ist die der chiliastischen entgegengesetzte Auffassung. Wir wollen nun noch zuerst die Gründe darlegen, welche gegen den Chiliasmus sprechen, dann die Gegengründe der Chiliasten beleuchten. Sehen wir zuerst, wie die Apokalypse selbst nach ihren anderweitigen Aussagen sich zu dem Chiliasmus verhält. Nach Ende der tausend Jahre erfolgt eine neue massenhafte Schilderhebung gegen die Kirche, ein öcumenisches Bestürmen des Lagers der Heiligen und der geliebten Stadt. Das paßt gar wenig zu der chiliastischen Ansicht von den tausend Jahren. Es zeigt, daß auch während derselben eine bittere Wurzel übrig geblieben ist, daß der Satan auch in ihnen noch immer einen bedeutenden Spielraum behalten hat, wenn es ihm auch, weil die Völker wachten und beteten, nicht gelingen konnte einen förmlichen Sturm zu organisiren, wenn er sich auch begnügen mußte, sein Werk mehr im Finstern zu treiben. Wenn es zu Anfang der Schilderung des neuen Jerusalems in Kap. 21, 1. heißt: „ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde war vergangen“, und wenn der Herr in V. 5 spricht: „siehe, ich mache Alles neu“, so führt dies darauf, daß auch das tausendjährige Reich der alten Erde angehört, daß es unter 1 Mos. 3 begriffen ist, daß darin die Feindschaft fortdauert zwischen der Schlange und dem Weibessamen, daß das Wort darin seine Kraft behält: „verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen. Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod essen, bis daß du wieder zur Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ Es gibt nur eine alte Erde und eine neue Erde, kein Mittleres. Die alte Ordnung der Dinge dauert fort bis zu der von dem Herrn angekündigten „Wiedergeburt“, und diese erfolgt erst an dem jüngsten Tage. Von entscheidender Bedeutung ferner ist, daß es in der Schilderung des neuen Jerusalems in K. 21, 4. heißt: „Und er wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“ Danach gibt es in der ganzen Zeit vor dem neuen Jerusalem, und also auch während der tausend Jahre, Thränen und Tod, Mühseligkeit und Geschrei, eine Fülle von Leid und Trauer, und wer sich sehnt von dieser Misere erlöst zu werden, der muß seine Augen nicht nach den tausend Jahren