# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S244 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 244 Das sogen. tausendjährige Reich. Sturz des alten Römerreiches ausging. Denn was in K. 20, V. 4—6 noch in Bezug auf die tausend Jahre ausgesagt wird, gehört nicht dem geschichtlichen Gebiete an, sondern dem jenseitigen Dasein und ist nur specielle Anwendung des christlichen Glaubensartikels von dem ewigen Leben. Die Apokalypse ist kein Wahrsagungs⸗, sie ist ein Trostbuch. Sie soll zunächst die, welche zur Zeit ihrer Abfassung unter der Römischen Verfolgung seufzten, trösten und mit unüberwindlicher Stärke ausrüsten. Wir dürfen nie vergessen, daß sie von einem solchen geschrieben wurde, der auf der Insel Patmos war wegen des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu Christi, und der sein Buch zunächst seinen „Mitgenossen an der Trübsal und an der Geduld Jesu Christi“ widmete. Aus dem Kreise dieser kam ihm, da er die Bindung Satans zu Anfang der tausend Jahre verkündete, der in der Gegenwart einen großen Zorn hatte und das Weib verfolgte, welche das Knäblein geboren, und ausschoß nach ihr aus seinem Munde ein Wasser wie ein Strom, daß er sie ersäufte, die Frage entgegen: aber was ist das für uns, die wir vor dem Anbruche der tausend Jahre unter den Streichen Satans fallen? „Was wird uns werden,“ Matth. 19, 27. Die prosaische Antwort auf diese Frage ist die: Was Euch die Erde versagt, werdet ihr im Himmel finden. In dieser Form aber konnte die Antwort in der Apokalypse nicht gegeben werden. Es ist verkehrt, wenn Manche sie nicht anders lesen, als wenn sie ein Compendium der Dogmatik vor sich hätten. Sie gehört dem höchsten Aufschwunge heiliger Poesie an, sie ist ein Buch der Gesichte Gottes. Die Vision liebt es, Alles mit Fleisch und Blut zu bekleiden und in bildnerischer Anschaulichkeit vorzuführen. So geschieht es denn auch hier. Es wird eine Gerichtssitzung gehalten, und in ihr erscheinen alle Märtyrer und treuen Bekenner, alle, die in den Verfolgungen durch das Thier, die heidnische Weltmacht, den Glauben nicht verläugnet haben, und werden nach Prüsung ihrer Werke zum Leben verordnet. Erleben sie auch auf Erden nicht den Anbruch der tausend Jahre, so befinden sie sich doch während derselben in der himmlischen Seligkeit, während ihre Verfolger und Unterdrücker derselben entbehren, und zuletzt in den schaurigen Feuersee hinabgeworfen, eine Beute des zweiten Todes werden, der über die Seligen keine Gewalt hat. Wer wollte im Blicke hierauf nicht willig und freudig die Leiden dieser Zeit erdulden, wer wollte den Feinden der Kirche ihr Glück und ihre Erfolge mißgönnen, die zu solchen Ende hinführen? Genau so wie der Seher hier von der Erde zum Himmel emporsteigt, wird auch in K. 7 zuerst geschildert, wie in den bevorstehenden Drangsalen Gott seine schützende Hand auf Erden über seine Gläubigen hält, dann in V. 9—17 hingewiesen auf die himmlische Herrlichkeit, die nach der kurzen Trübsal dieser Zeit der Erwählten wartet. Auf den ersten Anblick nun enthält die Schilderung der himmlischen Seligkeit, deren sich die Erwählten während der tausend Jahre erfreuen, obgleich sie sich im Ganzen und Großen von dem Gebiete der geschichtlichen Entwickelung entfernt, dennoch ein zweites characteristisches Merkmal der