# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S242 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 242 Das sogen. tausendjährige Reich. lichen Staat, der aus Herrschern und Unterthanen, Gebietenden und Gehorchenden besteht, verwandelt werde — diese Auffassung „weht ihn so fremd an,“ daß er sich ausdrücklich ausbittet, ihn nicht mit den Missouriern zu verwechseln; was denn auch von unserer Seite hiermit gewissenhaft geschieht. (Fortsetzung folgt.) Das sogen. tausendjährige Reich. (Fortsetzung.) „Wir wollen jetzt einen Ueberblick geben über die dem Chiliasmus entgegengesetzte Auffassung, die Ansicht, nach der die tausend Jahre jetzt bereits der Vergangenheit angehören, nach der wir in der Zeit leben, in welcher der Satan von Neuem losgelassen ist aus seinem Gefängnisse, das wiedererwachte Heidenthum von Neuem losstürmt auf die Kirche, und deren Ende die Auferstehung ist, das Weltgericht und der neue Himmel und die neue Erde. Die Offenbarung Johannis ist kein anticipirtes Compendium der Kirchengeschichte. So weit sie sich überhaupt auf bestimmte einzelne Ereignisse der Zukunft bezieht, beschränkt sie sich darauf, einzelne große Wendepunkte anzudeuten und zwar diejenigen, welche in Beziehung stehen zu dem geschichtlichen Ausgangspunkte des Buches, einer schweren und blutigen Verfolgung durch das Thier, die heidnische Weltmacht, und speciell die Römische Phase derselben. Ranke*) sagt: „Von welchem Punkte man auch immer suchen mag die Entwickelung der neuen Jahrhunderte zu begreifen, beinahe alle Male wird man auf das Römische Reich zurückgeführt, welches, indem es die alte Welt unterwarf und von der neuen überwältigt ward, eine Mitte für die gesammte Geschichte bildet.“ Bei diesem entscheidenden Punkte setzt auch die Apokalypse ein. Der erste in ihr geweissagte weltgeschichtliche Punkt ist das Gericht über das Weib, welches auf vielen Wassern sitzt, das neue Babel, welches die Herrschaft hat über die Könige der Erde, Rom. Als die Werkzeuge dieses Gerichtes werden zehn Könige bezeichnet, welche das Weib hassen und wüste machen. Diese Könige oder Reiche, Königthümer — denn das sind die Könige nach dem Sprachgebrauche der Apokalypse — huldigen Anfangs, ebenso wie das Weib, dem Thiere, sie sind dem Heidenthum ergeben, aber es dauert nicht lange, so werden sie von dem Lamme besiegt. In der Hauptschilderung dieses Siegers in K. 19, 11—21. führt Alles darauf, daß die Mission Christi hier zunächst eine solche des Zornes und des Gerichtes ist. Aber daß dies Gericht, vollführt durch die blutigen Kämpfe, welche unter den Zerstörern der Römischen Herrschaft entstanden, nur der Gnade den Weg bahnen und die Härtigkeit der Könige zermalmen soll, so daß sie das sanfte Joch Christi auf sich nehmen, daß es unter den Ausspruch fällt: wir müssen durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen, das erhellt deutlich aus einer vorangegangenen Stelle, K. 17, 14., wo es in Bezug auf die zehn Kö⸗ *) Die Serbische Revolution S. 1.