# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S239 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. 239 ment. In seiner Polemik gegen Ehlers läßt er sich also vernehmen: „So bekennt denn Ehlers endlich, daß er in der Wirklichkeit ganz mit denen zusammentreffe, welche ein „„höheres Kirchenregiment““ de jure divino (aus göttlichem Recht) lehren, was er selbst doch ganz verwirft. Er bekennt, sein Kirchenregiment müsse mit einer gewissen Machtfülle bekleidet sein und Gehorsam auch da fordern, wo sich die Gemeinden nicht von der Richtigkeit seiner Handlungsweise zu überzeugen im Stande wären. Wäre es nicht so, meint Ehlers, so könnte das Kirchenregiment auch sein Regieramt nicht üben. — Hiergegen müssen wir durchweg protestiren. Worin soll die „„gewisse Machtfülle““ bestehen? Im Geist und Wort des Evangeliums? Nein, denn das „„höhere Kirchenregiment““ hat ja nicht das Evangelium zu predigen; es soll ja auch „„ohne Ueberzeugung Gehorsam fordern.““ Das geschieht aber nur auf dem Boden des Gesetzes und durch äußern Zwang und gar nicht anders, man möge die Sache drehen und bemänteln, wie man wolle. Solch von Christo und allen Aposteln verbotenes Wesen, das unsre Symbole demgemäß auch entschieden verdammen, findet Ehlers nützlich, für uns sogar unentbehrlich und gar Gott wohlgefällig. Wir sagen von allem das Gegentheil. Eine „gewisse Machtfülle“ bot der Satan dem HErrn Christo in der Wüste an, und Er sprach: Hebe dich! Ueber die Vertheilung der „„gewissen Machtfülle““ beriethen, (d. h. zankten) die Jünger an jenem Abend, wie dieselbe nämlich in dem von ihnen als bevorstehend geträumten messianischen Reiche organisirt werden müßte. Und IEsus sagte: der Satan hat euer begehret, euch wie Weizen zu sichten. Ihr nicht also! In Meinem Reiche ist alle Machtfülle im Dienen mit dem Worte, und die ist auch die allergrößte; der oberste bei mir ist kein Befehlshaber, der Gehorsam selbst ohne Ueberzeugung fordern dürfte, sondern er dient am meisten. Ein Kreuzreich ist Mein Gnadenreich; und das zu behaupten werdet ihr euch wohl mit Beutel, Taschen und Schwerter rüsten müssen, denn es wird harten Stand finden — ja auch nun wieder in Breslau, wie vormals in Jerusalem und Rom. Und Petrus ermahnet die einzigen von Gott gegebenen Führer der Gemeinden: die Gemeinden zu weiden — nicht als die über das Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Heerde. Und bei uns soll gehorcht werden auch ohne Ueberzeugung? auf Befehl etlicher durch eine Majorität erwählter Männer, die nicht einmal einen Schein der Macht (— daß eine Macht auch von Menschen geschaffen werden kann, kommt Räthjen nie in den Sinn) geschweige eine Fülle für sich haben. Sie haben kein Predigtamt, sie haben kein Schwert als Obrigkeit. Und auch die Prediger, behaupten wir gegen Ehlers, haben nicht so zu herrschen, sondern zu lehren.“ Zu der Stelle der Breslauer Thesen vom Kirchenregiment: „Das „„Erkennen““ derer, die der Kirche vorstehen im HErrn (1 Thessal. 5, 12) schließt auch ein Gehorchen ein, welches Maß und Umfang darin hat, daß das Kirchenregiment ein Dienst am Wort Gottes und eine Liebesfunction (thätigkeit) am Leibe vieler Glieder ist,“ bemerkt Räthjen: „Soll diese These einen anderen Gehorsam aufrichten als den Gehorsam des Glaubens?