# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1860_S226 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 226 Unterricht wider den Zweifel am göttlichen Wort und dessen Wahrheit. ich höre das Wort, aber wenn ich könnte gläuben, daß Gott selber sei, der mirs gesaget, und mit mir redet; lieber sage, wo würde ich für großer Demuth und Hoffarth bleiben? für Demuth, daß ich mich entsetzen würde, daß mit solchem Würmlein, ja (wie Abraham sagt) mit Staub und Aschen, die Majestät im Himmel selbst redet. Für Hoffarth, daß solche hohe Majestät mich armen Koth und Stank nicht verachtet anzusehen; ja auch nicht mit mir zu reden, und so süße und tröstlich zu reden. O verflucht seist du Unglaube, von allen Creaturen, Amen. Wir haben auch darin die Exempel der lieben Apostel, die hatten ja das wesentliche Wort Gottes, den HErrn und Seligmacher IEsum Christum selbst bei sich, und höreten sein gnadenreiches Evangelium aus seinem heiligen Munde, als es aus dem Schooß des himmlischen Vaters gebracht hatte, aber wie wenig hielten sie es für ein wahrhaftiges Wort Gottes, bald glaubten sie nicht daß er leiden und sterben würde, bald glaubeten sie nicht daß er von den Todten erstanden war, ohne was sonst von ihnen in der evangelischen Historie fürgelaufen, daß sie auch deßwegen der HErr Christus zu unterschieden malen hart darüber gestrafet hat, wie zu ersehen, Matth. 16, 23.; Joh. 20, 20.; Marc. 16, 14.; Luc. 24, 38. ꝛc. Was war es mit dem fürtrefflichen Propheten Mose, zweifelte der nicht an Gottes Wort, das er selbst aus seinem eigenen göttlichen Munde gehöret hatte, da er ausdrücklich widersprach und sagte: 4 Mos. 11, 21. 22., sechshundert tausend Mann Fußvolk ist dies, darunter ich bin, und du sprichst: Ich will euch Fleisch geben, daß ihr esset einen Monat lang. Soll man Schafe und Rinder schlachten, daß ihnen genug sei? Oder werden sich alle Fische des Meeres herzu sammlen, daß es ihnen genug sei? Die nun in solchem großen Mangel stecken und wissens nicht, die mag man billig beklagen und herzlich über sie trauern, die aber das Joch tragen, und die Bürde fühlen, die sind glückselig unter vielen tausenden der andern, und hat man sich billig über sie zu erfreuen, darum, daß ihnen Gott die Augen also geöffnet hat, daß sie sehen können was ihnen mangelt und guten Rath zu ihrem Trost und Heil genießen. Deren einer ist auch der heilige König und Prophet David gewesen, welchem diese Anfechtung von dem Zweifel des göttlichen Worts oft gar heftig muß zugesetzt und gewaltig an seine Seele gestoßen haben, weil er es selbst öffentlich anzeiget und deßwegen zu Gott dem HErrn um gnädige Hülfe betet, wann er spricht, Ps. 119, 38.: Laß deinen Knecht dein Gebot festiglich für dein Wort halten. Gibt damit zuvernehmen, wie schwer es ihm oftmal gewesen, Gottes Wort ja festiglich dafür zu halten. Wie ist aber heutzutage in solchem Streit der Sachen zu thun? wie ist ihr zu rathen? Antwort: Zuförderst soll und muß ein solcher, der mit diesen Gedanken umgeht, zu fleißigem beten aufgemuntert werden, inmaßen wir sehen, daß David im angezogenen Psalm und sonsten gethan hat. Da er aber in solcher Zeit und Noth zum beten sich schwach dünken möchte, sollen die andern, welche um ihn sind, auch sonst die christliche Gemeinde in öffentlicher Versammlung für ihn beten, und den gnädigen Gott anrufen daß er