# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S223 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 223 eine der ursprünglichen, christlich-apostolischen Gemeindeverfassung entsprechende, auf dem neutestamentlichen Grundsatze des allgemeinen Priesterthums beruhende Synodal- und Pres⸗ byterialverfassung den Wünschen und Bedürfnissen der evangelischen Kirche in den außerun⸗ garischen Ländern entsprechen könne, und stellen das ausdrückliche Verlangen, daß die in Ausführung des kaiserlichen Patents vom 1. September v. J. vom Cultusminister unterm 2. September v. J. erlassene provisorische Kirchenordnung für die Evangelischen in Ungarn und den Nebenländern mit den etwa nöthigen Modificationen auch in den deutsch⸗slavischen Kronländern Anwendung finde. (A. K. Z.) Braunschweig. „Was den Zustand der Gemeinen betrifft,“ berichtet das Braunschweiger Kirchenblatt, „so ist derselbe an vielen Orten, namentlich in den Städten tief betrübend: ganze Schichten der Bevölkerung wenden sich von der Kirche weg und sind dem Worte Gottes ganz entfremdet und der Kirche feindselig, das Sacrament wird nicht ge⸗ sucht; es kommen Gemeinen vor, wo kaum der zehnte Theil im Jahre zum Abendmahl kommt. Es kann nicht anders sein: die Früchte der langjährigen rationalistischen Predigt müssen reifen. In vielen anderen Gemeinen und manchen Gegenden steht's auch wieder besser, wo Morgens und Nachmittags der Gottesdienst gut besucht wird, auch im Wochen⸗ gottesdienste die Hörer nicht fehlen, wo eine zwei⸗, ja in mehreren Gemeinen auch eine drei⸗ malige Feier des Abendmahls im Jahre die Regel bildet, wo das kirchliche Leben ungeachtet mancher störenden Einflüsse als endemisch (d. i. wie ins Volk verwachsen und ansteckend) gleichsam sich gehalten hat; aber auch in solchen Gemeinen fehlts durchschnittlich an der gesunden kräftigen Heilserkenntniß. Blicken wir ferner in die Kreise derer, die lebendige Christen sein wollen, so ist auch hie: allerlei Schwäche; ein großartiger Mangel oft an durchgebildeter geistlicher Erkenntniß und wirklicher Ueberzeugung, vorherrschend ein Gefühlschristenthum, das weit entfernt ist von dem Glauben und der Zuversicht, die sich allein gründen auf Gottes Wort und die dem Sünder, gegebenen Verheißungen; ein geistliches Echauffement (oder Erhitzen) und reines Genußleben, welches nicht zufrieden ist, wenn nicht dem Nervenreiz Genüge gesche⸗ hen; ein trübes Gemisch von christlichem und weltlichem Wesen, christliche Gedanken, die weltliche Absichten haben, und weltliche Absichten, die sich christlicher Beweggründe und christlicher Worte bemächtigen, wo man nicht mehr Wahrheit und Lüge unterscheiden kann; Gottes Wort wird versetzt mit weltlicher Weisheit, um dasselbige weltförmiger und schmack⸗ hafter zu machen, christliche Worte, Werke und Gefühle werden gebraucht, um sich damit zu putzen und Staat zu machen, christlich Wesen steht im Dienst der Eitelkeit. Echtes, ge⸗ rade lutherisches Christenthum ist kindlich einfältig, verschämt, jungfräulich und schön, aber es weiß nicht, daß es schön ist, es führt in Einfalt und wirklicher Gottesfurcht seinen Wandel und macht nicht viel redens von sich, ist und will durchaus nicht etwas besonderes sein, sondern zeigt sich nur als die durchaus dienende Treue in Verrichtnug jedes irdischen Berufes. Zei⸗ chen der Erneuerung und des Wiederauflebens der Kirche, Möglichkeit einer gesunden Rege⸗ neration (oder Wiedergeburt) auf unangetastetem Bekenntnißgrunde, daneben aber auch Verfall, zum Theil tiefer Verfall auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens, das ist unsere kirchliche Lage.“ Ueber die Bekehrungsversuche in einer Versammlung von Grisetten in London liest man, so berichtet die A. K. Z. (März 28.), aus Londoner Blättern Fol⸗ gendes: Am 8. Febr. um Mitternacht öffnet sich der große Saal des Restaurateurs in St. James-Halle, Regent-Street, zu einer Versammlung, wie man ohne Zweifel nie eine ähnliche gesehen hat. Einladungskarten waren auf den Straßen und in gewissen Kaffee⸗ häusern und öffentlichen Localen ausgetheilt worden an die gefallenen Mädchen, welche um diese Zeit ihr schmachvolles Geschäft zu betreiben pflegen, und luden dieselben zu einem Thee auf Mitternacht in der bezeichneten Restauration ein. Gegen 12 Uhr sah man eine große Menge derselben meist elegant geschmückt ankommen. Es wurde ihnen mit Thee, Kaffee und Kuchen aufgewartet und sie nahmen vergnüglich an dieser Bewirthung Theil, bildeten gesprächige Kreise und fragten sich unter einander verwundert, was wohl der Zweck dieser geheimnißvollen Zusammenladung sein könne. Bald jedoch erschienen die Herren