# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S220 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 220 Neue Literatur. einfältige Weise zu reden verstehen auch die Gelehrten und Hochverständigen; dagegen aber, wenn man allein den Gelehrten und Hochverständigen will predigen, so kann es der gemeine und einfältige Mann nicht verstehen, und bringen solche Predigten bei den Geringverständigen wenig Frucht. Und soll billig ein hochgelehrter Prediger sich nicht schämen, daß er sich nach den einfältigen Leutlein in seinen Predigten richte. Denn das hat unser höchster Lehrmeister Jesus Christus, der Erzhirt, selbst gethan, welcher das einfältige Völklein, das häufig zu ihm gelaufen, einfältig und verständlich gelehret und ihnen die heilsame Lehre mit feinen Gleichnissen eingebildet hat, bei denen sie seine Lehre haben behalten können. Es sind auch allerwegen der einfältigen Leute mehr, denn der gelehrten und hochverständigen; darum sich ein Prediger billig nach dem großen Theil seiner Zuhörer richten soll. Und sind ja die armen Bäuerlein (für welche der Sohn Gottes so wohl sein Blut vergossen als für die allerfürnehmsten Leute) unserm Herrn Gott eben so angenehm und lieb (oft auch viel angenehmer), als die reichen und fürtrefflichen Leute in der Welt. Denn bei Gott dem Herrn ist kein Ansehen der Person. Und schreibt St. Paulus hievon also (1 Cor. 2): Sehet an, liebe Brüder, euern Beruf; nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen, sondern was thöricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß es die Weisen zu Schande mache. Und der Herr Christus sagt von seinem Evangelio also: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du Solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret, ja Vater, denn also ist es wohlgefällig gewesen vor dir. Darum soll ein getreuer Prediger allen möglichen Fleiß anwenden, daß er auch die allergeringsten und einfältigsten Bauersleutlein also in Gottes Wort unterrichte, daß sie ihn (zu ihrem ewigen Heil) hören, verstehen und sich aus den Predigten bessern können. Dessen ich mich in dieser meiner Bauernpostilla (ohne Ruhm zu melden) zum Höchsten beflissen habe.“ Neue Literatur. — Wir freuen uns, das Erscheinen der „zweiten, wesentlich verbesserten, zum Theil umgearbeiteten Auflage“ des „Lehrbuchs der christlich kirchlichen Archäologie“, von Dr. Guericke, Berlin 1859. L. Oehmigke's Verlag, hiermit anzeigen zu können. Der geehrte Verfasser sagt darüber in seinem Vorwort zu dieser Auflage: „Die zweite Gestalt dieses Lehrbuches hat — und darum eben ists mir eine Freude und Genugthuung, sie darbieten zu dürfen — die gewissenhaft bessernde und umarbeitende Hand des Verfassers gar reichlich fühlen und erfahren müssen und wirklich gefühlt und erfahren, nicht blos in Einzelnem, nach Inhalt und Form, sondern auch in Principiellem; und die Fruchtbarkeit der Neuzeit nun auch auf diesem Gebiete und der neue Kampf der Geister gerade auf ihm — der leidige Kampf insbesondere nicht für die göttlich geord⸗