# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S219 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lucas Osiander über die rechte Weise den Einfältigen zu predigen. 219 ihre Seelen gespeiset und haben damit genug zu thun, daß sie solche Lehren die Woche umhin betrachten und ihnen zum Trost und Besserung ihres Lebens nutz machen, und können die anderen übrigen Lehren, etwa auf eine andere Zeit, ja auch wohl über ein Jahr, eben aus demselbigen Text füglich gehandelt werden. — Wenn denn gleich die religionsstrittigen Sachen bei dem Bauernvolk müssen unterweilen auf die Kanzel gebracht werden, so soll solches nicht gar oft, auch nicht mit spitzigen disputationibus und mit Erzählung vieler Argumente geschehen. Denn solche scharfe disputationes verstehen die armen Bäuerlein nicht, und wenn sie viele argumenta der Widersacher erzählen hören, kann es wohl geschehen, daß sie mehr dadurch geärgert und verwirret, denn gebessert werden. Darum ist's genug, wenn ein Prediger in einem Dorf an einen streitigen Artikel kommt, daß er unserer Widersacher irrige Meinung kurz erzähle und derselbigen etliche klare Sprüche der heil. Schrift entgegensetze, damit ein einfältiger Christ so viel verstehe und merke, daß der Widersacher (als der Papisten, Zwinglianer, Wiedertäufer, Schwenkfeldianer und dergleichen) Lehre falsch und verführerisch sei; so wird sich ein gutherziger Christ, welcher die Wahrheit lieb hat, wohl wissen vor Irrthum zu hüten. — Es ist auch nicht erbaulich, wenn man solchen einfältigen Zuhörern viele Historien aus den heidnischen Scribenten (darauf man sich nicht gründen kann) fürhält und die Zeit damit verleuert; sondern das beste ist, wenn der Prediger bei der heiligen Schrift bleibt und seine Lehre mit klaren und (so viel möglich) dem gemeinen Mann bekannten Zeugnissen und Exempeln aus der Bibel beweiset und auf dieselbige gründet. Darauf kann ein Christ sicher fußen und darauf leben und sterben. — Welcher Prediger auch die einfältigen Bauern nützlich lehren will, der muß nicht sich befleißigen zierlich zu reden, als wenn ein Canzler vor einem Fürsten oder anderen fürnehmen Leuten auf canzleiisch redet, sondern er soll wohlbekannte Worte und dem gemeinen Mann verständliche Phrases oder Weise und Art zu reden gebrauchen, welche ein jeder einfältiger Mensch wohl verstehen könne. Dazu gehört auch, daß ein Prediger nicht lange periodos mache und nicht viel Reden an einander knüpfe und dann allererst mit einem Wort endlich beschließe. Denn ehe ein einfältiger Zuhörer das letzte Wort am periodo hört, so weiß er nicht mehr, was das erste gewesen ist, derwegen er aus solchen Predigten wenig Nutzen empfähet, als deren er einen großen Theil nicht verstanden hat. — Ein Prediger muß auch die Rede und Stimme also wenden und richten, daß ein jeder einfältiger Zuhörer nicht anders gedenke, denn als wenn der Pfarrer mit ihm allein redet und ihn unterweisen wollte. Wenn dies geschieht, so merken die Pfarrkinder mit Lust und mit großem Fleiß auf die Predigten, wird ihnen die Zeit kurz und behalten leichtlich, was sie in einer solchen Predigt gehört haben. — In einer Summe aber und beschließlich hievon zu reden, so muß sich ein getreuer Prediger zum höchsten befleißigen, daß ihn auch die allereinfältigsten Leutlein wohl und klar verstehen mögen. Denn dieses ist am allerzierlichsten und besten in den Predigten geredet, wenn der Prediger die göttliche Wahrheit klar und verständlich predigt. Denn die