# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S218 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 218 Lucas Osiander über die rechte Weise den Einfältigen zu predigen. gendes: „Ich habe diese meine Predigten eine Bauernpostille genennet darum, daß ich mich in denselbigen allerdings nach den einfältigen Bauersleutlein gerichtet, damit sie ja dieselbigen wohl verstehen und behalten könnten. Denn ob man wohl den Bauern eben die christliche Lehre fürtragen soll, die man den Bürgern, Canzleiverwandten, Adelspersonen und großen Herren predigt; jedoch, wenn man gar einfältige Leute lehren will, muß man etlicher Maßen eine andere Weise und Form fürnehmen, denn wenn man den Leuten predigt, welche studirt haben oder sonst mit mehr Verstand, denn der gemeine Mann, begabt sind. Denn erstlich will es sich bei dem armen Bauersvölklein nicht schicken, wenn man den ganzen fürgelesenen Text und alle desselben Stücklein wollte in einer einigen Predigt erklären und handeln, wie man sonst zu thun pflegt, wo ein Prediger einen biblischen Text ordentlich nach einander auslegt. Denn daselbst steht es zu ihm, daß er wenig oder viel Text nehme und in demselbigen Alles mit einander erkläre und Nichts darinnen übergehe. Wenn man diese Weise mit Erklärung der sonntäglichen Evangelien und Episteln wollte fürnehmen, bei dem armen einfältigen Völklein, so würden die Predigten viel zu lang, und werden die Zuhörer verdrossen. Es ist auch solches denen beschwerlich, die aus den Weilern über Feld müssen die Predigten in der Pfarrkirche besuchen, und nach derselben wiederum über Feld heimziehen, sonderlich zu kalter Winterzeit. Und weil dergleichen Leutlein gemeiniglich übel bekleidet und über Feld, auch in der Kirche Frost leiden, merken sie endlich nicht mehr fleißig auf die Predigt, wenn dieselbe lang ist und sie vor Kälte nicht wohl in der Kirche bleiben können, da denn billig ein getreuer Hirt seiner Schäflein hierinnen verschonen soll. Es ist auch keine Nothdurft und nicht rathsam, daß ein Prediger in einem Dorf vielerlei locos communes oder Lehren (welche zwar alle können aus einem Text genommen werden) in einer Predigt zu handeln fürnehme, wie man sonst in fürnehmen Städten oder auch zu Hofe (an welchen Orten mancherlei und sehr ungleiche Zuhörer sind) thun kann und mag. Denn an solchen fürnehmen Orten muß man mancherlei Speisen des göttlichen Worts auf ein Mal fürtragen, damit ein Jeder (nach Beschaffenheit und Gelegenheit seiner Person) etwas höre, dadurch seine Seele gespeiset werde, wenn gleich der Prediger kurz, doch gründlich und satt, von mancherlei Sachen redet. Aber bei dem gemeinen Bauersmann will es nicht sein; sondern man muß ihnen in einer Predigt nur zwei oder drei Lehren (oder locos communes) fürhalten und dieselbigen ausführlich, (so viel die Zeit leiden mag) und verständlich erklären und einbilden, welches nicht geschehen kann, wenn man vielerlei Lehren oder locos communes auf ein Mal bei einfältigen Leuten handeln will. Denn ob man gleich Zeit genug (als im Sommer) dazu nehmen wollte, so können doch einfältige Leutlein so vielerlei Lehren auf ein Mal nicht fassen und behalten, sondern wenn sie das Letzte hören, so wissen sie nicht mehr, was das Erste gewesen sei, gleich als wenn man einem Schüler in einer Lection allzuviel fürgiebt, so kann ers nicht behalten. Wenn man ihnen aber zwei oder drei heilsame, nothwendige Lehren (in Gottes Wort wohl gegründet) fürträgt, so sind