# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S217 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lucas Osiander über die rechte Weise den Einfältigen zu predigen. 217 gegangener Wandlung mit sich in den Himmel genommen haben. Was bleibt da übrig für die geliebte Stadt und das Lager der Heiligen? Und nun bedenke man, daß die Auferstehung in innigem Zusammenhange steht mit der „Wiedergeburt“, mit der Erneuerung der Erde, welche der Herr ankündigt, und daß man nicht einsieht, wenn der Himmel die angemessene Bleibstätte für die Auferstehung ist, warum sie nicht gleich mit dem Uebergange in das jenseitige Dasein erfolgt, ferner, daß es kaum denkbar ist, wie nach einem so gewaltigen Eingreifen der jenseitigen Welt in die geschichtliche Entwickelung der völlig abgerissene Faden der letzteren noch einmal wieder angeknüpft werden sollte; endlich, daß die ganze Hypothese offenbar nur eine Auskunft der Verlegenheit ist, da weder das Herabfahren Christi zur Erde, noch seine Rückkehr mit den Auferstandenen und Verwandelten mit einem Worte angedeutet ist. — Die Apokalypse geht über die tausend Jahre gar rasch hinweg, weil der Zustand, den sie bringen, obgleich befriedigender als der vorige, doch keinesweges ein absolut befriedigender ist. Johannes eilt herüber zu dem neuen Himmel und der neuen Erde und zu dem neuen Jerusalem, das vom Himmel herabkommt geschmückt wie eine Braut für ihren Mann. Die tausend Jahre nehmen sich in der Apokalypse ziemlich kahl aus, besonders wenn der Sitz der Auferstandenen in den Himmel gelegt wird. Diesen Mangel nun haben die Freunde des tausendjährigen Reiches gefühlt, sie suchen ihn durch Fictionen zu ergänzen, machen ihn aber dadurch nur noch auffallender. Past. Flörke z. B. nimmt an, daß während der tausend Jahre die Glorie des Herrn an dem geöffneten Himmel sichtbar sein werde, freilich nicht auf der ganzen Erde, sondern nur „in dem Palästina des Willens Gottes, vom Euphrat und Libanon bis Aegypten reichend.“ Unter der unmittelbaren Direktion und Segnung dieser „Glorie am geöffneten Himmel“ soll auch das Naturleben stehen. Dazu vielfache sichtbare Erscheinungen Christi und seiner Engel und der Auferstandenen im Kreise der Gläubigen. Das paßt aber schlecht dazu, daß die Welt nichtsdestoweniger noch immer „nicht eine wunderartig verwandelte“ sein soll, „sondern eine Welt, wie sie heute ist, von Sündern und Todeskindern, welche alle Tage viel sündigen.“ Es ist eine völlig auf eigene Hand unternommene Vermischung des Unvereinbaren, ein bedenklicher Uebergriff in das Gebiet des neuen Himmels und der neuen Erde. Die kirchliche Theologie, die solche Dinge verschmähte, hat unter Anderem auch den Vorzug des schärferen Denkens.“ (Fortsetzung folgt.) ——— Lucas Osiander über die rechte Weise den Einfältigen zu predigen. (Aus W. Beste, die bedeutendsten Kanzelredner u. s. w.) Lucas Osiander, von 1596 bis 1598 Abt zu Adelsberg und Generalsuperintendent, schreibt in der Vorrede zu seiner Bauernpostille u. A. Fol⸗