# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S216 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 216 Das sogen. tausendjährige Reich. rief allgemeine Verwunderung hervor. In neuester Zeit hat der Chiliasmus, besonders in Würtemberg und im Wupperthal, einen neuen Aufschwung genommen. Er wird nicht blos auf Conferenzen, wie auf der letzten Elberfelder, sondern auch in Predigten mit einem Eifer vorgetragen, als hänge davon vorzugsweise das Heil der Kirche ab. Wir wollen nun den jetzigen Stand der Lehre und der Gegenlehre etwas eingehender darlegen. Die Vertheidiger der Lehre vom tausendjährigen Reich stimmen darin überein, daß sie dasselbe als noch der Zukunft angehörig betrachten. Auch darin sind sie ziemlich einig, daß sie die Bindung Satans loslösen von der Bekehrung der Völker, in Bezug auf die Satan gebunden wurde, und sie in einen so zu sagen magischen Vorgang verwandeln, wie z. B. Prof. Auberlen sagt: „Hiemit ist die Menschen⸗ und auch die Naturwelt von einem schrecklichen Banne befreit. So lange der Teufel noch in der Finsterniß dieser Welt herrscht, leben wir alle in einer vergifteten, mit tödtlichen Stoffen geschwängerten Luft. Durch Christi Zukunft wird eine gewaltige Luftreinigung geschehen, es wird wie ein Alp von der Menschheit genommen werden.“ Wird die Bindung Satans so gefaßt, so muß freilich die Frage entstehen: warum erfolgte sie denn nicht gleich in den Anfängen der christlichen Kirche? Warum wurde diesem Ahriman Raum gelassen bis zum Beginnen der tausend Jahre? Während schon hier die Einigkeit keine vollständige ist, namentlich Prof. v. Hofmann die Bindung des Satans in einer minder abstoßenden und der Analogie des Glaubens widersprechenden Weise faßt, findet ein entschiedener Gegensatz statt in Bezug auf die „erste Auferstehung.“ Man ist nur soweit eins, daß diese Auferstehung eine leibliche sein müsse. Im Uebrigen geht man auseinander. Prof. v. Hofmann behauptet, daß das Reich Christi und der Sitz der auferstandenen Gemeinde auf Erden sein werde, und zwar in Canaan, welches ebenfalls verklärt sein werde, so daß auf Erden ein Gegensatz verklärten und unverklärten Menschen⸗ und Naturlebens stattfinde. Die Schwierigkeiten dieser Ansicht liegen am Tage: auch eine theilweise Verklärung der Erde greift herüber in das Gebiet des: „ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“, in Apok. 21, 1., und des: „siehe ich mache Alles neu“, in C. 21, 5., wodurch alles Vorhergehende unter 1 Mos. 3 gestellt wird. Welche physikalische Schwierigkeiten die Isolirung eines Winkels der Erde hat, darf nicht erst ausgeführt werden. Ebenso wenig brauchen wir erst zu zeigen, wie undenkbar es ist, daß der Stuhl Christi und die Stadt der Auferstandenen und Verklärten nach Ende der tausend Jahre von sterblichen Menschen belagert werden soll. Um diesen Schwierigkeiten zu entgehen, versetzten Andere die Scene in den Himmel. Prof. Auberlen z. B. sagt: „Christus geht, nachdem er seine Gemeinde gesammelt, seine Braut heimgeholt hat, mit ihr in den Himmel zurück. Die noch unverklärte Erde kann ja nicht der Ort der verklärten Gemeinde sein.“ Allein wie paßt dann K. 20, 9., wonach das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt auf Erden von Gog und Magog berennt wird? Christus soll nicht blos die verstorbenen Gläubigen, er soll auch die Lebenden nach voran⸗