# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S208 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 208 Das sogen. tausendjährige Reich. Unter diesem Titel theilt Hengstenberg in der E. K. Z. März d. J. einen Vortrag mit, den er im Auftrage des Evang. Vereins zu Berlin gehalten hat. Wir erlauben uns denselben unsern geehrten Lesern in der Weise vorzulegen, daß wir außer der Einleitung die Geschichte des Chiliasmus vollständig, die Gegenlehre, wie sie Hengstenberg selbst vertritt, die Hauptgründe gegen und die Widerlegung der Gründe für den Chiliasmus zum Theil im Auszuge wiedergeben. „Es ist kürzlich gesagt worden, es drohe in gewissen Kreisen die Gefahr, daß man über der Beschäftigung mit den zukünftigen Entwickelungen des Reiches Gottes die Katechismuswahrheiten vergesse. Daß solche Gefahr wirklich vorhanden ist, daß krankhafte Uebertreibung sich hier geltend macht, sehen wir schon aus dem einen Umstande, daß man neuerlich mehrfach versucht hat, die Bitte: Dein Reich komme, die jeder zunächst in Bezug auf das eigene Herz beten soll, ausschließlich auf das tausendjährige Reich zu beziehen. Wir dürfen nie vergessen, daß, was auch die Zukunft des Reiches Gottes sein mag, die Anforderungen und Aufgaben in der Hauptsache dieselben bleiben. Worte, wie die: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demüthig wandeln vor deinem Gott“, „Du sollst lieben den Herrn deinen Gott“, „Glaube an den Herrn Jesum“, bleiben davon unabhängig, und vorzüglich auf diese einfachsten Worte bezieht sich die Seligpreisung derjenigen, die über das Wort des Herrn nachsinnen Tag und Nacht, die Gottes Wort hören und bewahren. Doch wird es auf der andern Seite nicht angemessen sein, gegen die Zukunft des Reiches Gottes eine gleichgültige Stellung einzunehmen. Daraus, daß die Schrift, welche nirgends einer bloßen Neugierde oder Wißbegierde dient, darüber so umfassende Aufschlüsse mittheilt, folgt unmittelbar, daß hier nicht unbedeutende Mittel der Erbauung vorliegen müssen. Und solcher Mittel sich muthwillig zu berauben, erscheint am wenigsten angemessen in einer Zeit, wie die unsrige, in der die Gegenwart des Reiches Gottes so manche trübe Erscheinungen, so manche bedenkliche Vorzeichen darbietet. Da kommt es besonders darauf an, auf der einen Seite aus der Betrachtung der Vergangenheit, auf der andern aus der Betrachtung der Zukunft des Reiches Gottes Trost und Stärkung zu bereiten. Die Gegenwart erscheint in einem ganz anderen Lichte, wenn sie als bloßer Durchgangspunkt gefaßt wird. Eine der Hauptfragen nun auf diesem Gebiete bewegt sich um eine Stelle in der Offenbarung des heiligen Johannes, Kap. 20, 1—6: „Und ich sah einen Engel vom Himmel herabkommen, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und der Satan, und band ihn tausend Jahre. Und warf ihn in den Abgrund, und verschloß und versiegelte über ihn, daß er nicht mehr verführete die Heidenvölker, bis daß vollendet wären die tausend Jahre, danach muß er losgelassen werden eine kleine Zeit.