# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S207 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. 207 zugleich zur Sünde der Ungerechtigkeit gegen viele Glieder der Kirche Christi führt, ist der: daß Räthjen nur den ganzen Complex der reinen Lehre, der keinerlei Irrthum in sich faßt, als Merkmal gelten läßt, an welches das Vorhandensein der Kirche Christi für uns Menschen geknüpft ist. „Auch wir sagen,“ spricht er, „wie Pistorius: Nur die lutherische Kirche ist Kirche Christi zu nennen; wir verstehen aber darunter die Gemeinden, die reine Lehre wirklich haben, und sagen: so weit sehen wir Christi Kirche; sie geht aber vor Gott weiter, als wir sie in der Zeit sehen und benennen können, und manches nennt sich lutherisch, was es nicht ist.“ Nach Räthjen giebt „die reine Lehre“ den Gemeinden den Namen der Kirche. Aber wie kann etwas einen Namen hergeben für eine Sache, wenn es selbst den Namen nicht hat und haben kann? denn die reine Lehre ist nicht die Kirche und heißt nicht die Kirche. Menschen bekommen den Namen der Kirche entweder weil sie die Kirche, nämlich wahrhaft Gläubige, sind, oder weil sie die Kirche zu sein scheinen, im letzteren Falle also von denen, die es sind, weil man sie für solche hält. — Sodann, wenn Räthjen zugiebt, daß die Kirche Christi auch da ist, wo „die reine Lehre“ nicht ist (sie geht vor Gott weiter, als u. s. w. sagt er selbst), aber Wort und Sakrament noch wesentlich bleiben, und doch dabei behauptet, wir können sie dann nicht Kirche Christi nennen, so giebt und nimmt er den Namen in Einem Athem; nennt sie da die Kirche Christi und sagt doch: er kann sie da nicht Kirche Christi nennen. Wer giebt uns denn das Recht, denen den Namen der Kirche Christi vorzuenthalten, von denen wir wissen, daß sie ihn vor Gott haben, daß er ihnen also gehört und zukommt? — Es ist darum ungerechte Willkür und bei Räthjen überdies ein Selbstwiderspruch, zu sagen: nur die lutherische Kirche ist Kirche Christi zu nennen. — Daß wir aber an dem äußerlichen kirchlichen Verkehr und dem Gemeinde⸗Verbande falschgläubiger Kirchen uns nicht betheiligen dürfen, geschieht nicht deshalb, weil wir da die Kirche Christi nicht sehen können; denn die sehen wir ja auch in rechtgläubigen Gemeinden nicht, sondern glauben nur, daß sie da ist; auch nicht, weil wir da an ein Vorhandensein der Kirche Christi nicht glauben dürften; was Räthjen selbst zurückweist: sondern weil wir falsche Lehrer und gefälschten Gottesdienst fliehen und meiden, und uns nicht theilhaftig machen sollen der Sünde eines kirchlichen Verbandes, durch welchen falsche Lehre und gefälschter Gottesdienst aufrecht erhalten wird; durch welche Entziehung vom äußerlichen Verkehr jedoch die wahre innere Einheit des Glaubens, so weit sie vorhanden ist, nicht aufgelöst wird. Wir sehen aus dem Allen, und sprechen es mit großer Betrübniß aus, daß Räthjen in der Lehre von der Kirche nicht unter der Fahne kämpft, unter der unsere rechtgläubigen Väter gekämpft haben, nicht mit ihnen einerlei Rede führen, nicht mit ihnen zusammenhalten will in Einem Sinn und Einerlei Meinung; sondern daß er, halb Freund, halb Gegner, es vorzieht, ein eigenes Fähnlein zu bilden, und damit die Lehreinheit in der lutherischen Kirche an seinem Theile unmöglich macht. (Fortsetzung folgt.)