# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 206 Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. Kirche dennoch, denn wir können sie von den Andern in der Gemeinde unterscheiden, so ist auch hier nur die richtige Antwort: Ich sehe nur, daß sie Kinder sind, nicht aber daß sie Kinder Gottes sind; denn ich sehe den Glauben, den heiligen Geist nicht, der sie dazu macht; ich glaube nur dem göttlichen Worte, daß sie Kinder Gottes sind, glaube also auch hier nur, auf Gottes Wort hin, an das Vorhandensein der Kirche, weil die äußerlichen Merkmale da sind, an welche es geknüpft ist. Anstatt also sich zu der kirchlichen Lehre zu bekennen, daß die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes unsichtbar ist, verwickelt sich Räthjen lieber in Widersprüche und verwirrt, was längst klar auseinander gesetzt ist. Er sagt: Völlig werden wir die Kirche sehen, wenn wir vom Glauben zum Schauen gekommen sind; da doch der Gegensatz zwischen Glauben und Schauen, da der Glaube eine gewisse Zuversicht ist, da man nicht zweifelt an dem, das man nicht siehet, den Gegensatz zwischen nicht sehen und sehen fordert. Jetzt sehe ich, daß sie da ist, sagt er, so weit reines Wort ist; während er doch nicht zugiebt, daß Heuchler und Gottlose, die das reine Wort haben, die Kirche sind. Und wieder: nicht soweit reines Wort ist, sondern soweit man hört und sieht, daß der heilige Geist angenommen wird und durch das Bekenntniß von Jesu Christo, dem Gottmenschen, Menschen einigt, so weit kann man die Kirche sehen; — insofern und soweit man aber von dieser Einigkeit im heiligen Geiste hört, sieht man diese Einigkeit nicht, sondern glaubt sie im besten Falle, auch in dem, wo sie Räthjen sehen zu können vermeint. Ferner: Ich kann nie gewiß wissen, ob andere Leute recht, das heißt doch wohl: Glieder der Kirche sind — also glaubt er doch nur, wo er zu wissen und zu sehen meint. Und die Gewißheit, daß ich ein Glied des geistlichen Leibes Christi bin, habe ich eben so wenig durch sinnliche Wahrnehmung, sondern allein in meinem Glauben an Christum. Der Eigensinn, mit dem Räthjen an der Sichtbarkeit der Kirche, dieses geistlichen Leibes Christi, festhält, verhindert ihn sogar, das wahrzunehmen, daß er sich selbst verurtheilt, wenn er von seinen Gegnern, die erst durch die äußerliche sichtbare Verbindung der Glieder der Kirche die Kirche selbst entstehen lassen, sagt: sie stellen die ganze lutherische Lehre auf den Kopf, und es heißt ungefähr dasselbe, als ob einer sagte: der Glaube ist zwar nöthig zur Seligkeit, aber daß er wirklich selig mache, dazu müssen doch die Werke das beste thun; und nun seinerseits behauptet: „die Kirche bleibt ewig stehen, es kommt nur darauf an, daß du und ich u. s. w. auch zu ihr gehörig seien und bleiben. Durch unser Bekenntniß (also durch unser gutes Werk) sind wir ihr eingefügt (werden wir also Glieder der Kirche und selig — denn er redet hier nicht von einem sichtbaren äußerlichen Gemeindeverband, sondern von der ewig bleibenden Kirche, die er jedoch mit dem Gemeindeverband verwechselt und vermischt und damit weder diesem noch jener gerecht wird), wenn es anders kein gebotenes oder erschlichenes oder erheucheltes ist!! Ein zweiter Irrthum, der mit dem ersten eng zusammenhängt, der aber