# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. 205 Kirche an mir gewesen sein können. Doch können darunter auch Heuchler, ja wohl gar Antichristen sein. Der himmlischen Kirche muß ich also in mir durch Gottes Wort gewiß sein. Außer mir sehe ich, daß sie da ist, so weit reines Wort ist, werde aber im Uebrigen da vieles unchristliche mit sehen müssen, daran ich keinen Trost, sondern Leid und Arbeit finde. Und noch weiter hinaus hoffe ich, daß aus vielen finstern Landen auch ohne mein Sehen der HErr viele durch Seinen Geist und Sein Wort auf Seinen Tag zusammenführen wird. — Ganz Israel wird zusammenkommen und selig werden. Ewig ist's Ein Hirt und Eine Heerde; wir bekommens aber erst völlig zu sehen, wenn wir vom Glauben zum Schauen gekommen sind. Hier geht's durch Feuer, Schwert und scheinbare Zerstreuung, dort ist lauter Friede und Einheit. Und das Himmlische haben wir auch jetzt, aber im Glauben.“ Es ist in der That merkwürdig zu sehen, wie geflissentlich Räthjen dem Bekenntnisse: Ich glaube Eine heilige christliche Kirche sich zu entziehen sucht, so wenig scheint ihm das einzuleuchten, daß zwar Wort und Sakrament, die allerdings in die Sinne fallen, das Vorhandensein der Kirche anzeigen, dennoch diese Merkmale, weil sie auch von Heuchlern benutzt werden, die Kirche nicht sichtbar machen. Und doch ergiebt sich, meinen wir, letzteres ganz von selbst, wenn man mit Räthjen nur diejenigen für Glieder der Kirche Christi hält, welche durch den Glauben Christo einverleibt sind, „da es ja gewiß ist, daß die Heuchler und Gottlosen nicht Christi Leib, nicht Kirche, sein können;“ also die Kirche sich von den Heuchlern nur durch ein solches Merkmal unterscheidet, welches menschlichen Sinnen verborgen bleibt; durch welches zugleich die Einzelnen zu einer heiligen und wahrhaften Gemeinschaft oder Kirche verbunden werden. Wenn ich sowohl echte, als künstliche Perlen in Einem Haufen vor mir habe, so werde ich, wenn mir das charakteristische Merkmal der eigentlichen Perlen zwar nicht unbekannt ist, meine Sinne aber unfähig sind, dies Merkmal auch wirklich aufzufinden, wegen der Aehnlichkeit, welche die Glasstückchen mit den wirklichen Perlen haben, auch erstere Perlen heißen, und wenn ich einem die wirklichen Perlen in dem Haufen zeigen sollte, ihm sagen: ich kann sie dir nicht zeigen, denn ich sehe sie selbst nicht, ich kann sie vom Glase nicht unterscheiden; ich kann sie nicht finden, obgleich sie vor meinen Augen daliegen; denn wenn ich meine, eine Perle zu sehen, sehe ich vielleicht ein Glasstückchen und nicht die Perle. Und nur, wenn jener mit mir Scherz treiben wollte, würde er sagen: Ei, die Perlen sind doch keine unsichtbaren Wesen, wie kannst du sagen, du siehst sie nicht? Ich würde ihm antworten: Ich sehe in Wahrheit bloß Dinge, die wie Perlen aussehen; daß wirkliche Perlen darunter sind glaube ich nur auf die Versicherung eines Anderen hin, der sie kennt. Und wenn Perlen sowohl als Glasstückchen zum Theil in hellem, zum Theil in mattem Glanze sich zeigen, so macht mir auch der Glanz und die Reinheit die Perlen nicht sichtbar. — Möchte aber Jemand sagen: Von den jungen getauften Kindern wissen wir doch gewiß, daß sie Kinder Gottes sind, also sehen wir wenigstens so weit die