# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S204 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 204 Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. Auf Grund des hier Mitgetheilten könnten wir uns zu der Freude berechtigt halten bei Räthjen die orthodoxe Lehre von der Kirche zu finden, und demnach glauben, er werde auf die Frage: was die Kirche sei? ohne Rückhalt und aus freudiger Ueberzeugung mit unseren Bekenntnissen antworten: „Sie ist eigentlich nichts anderes, denn die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen.“ Und: „Wiewohl die bösen und gottlosen Heuchler mit der rechten Kirche Gesellschaft haben in äußerlichen Zeichen, im Namen und Aemtern, dennoch wann man eigentlich reden will, was die Kirche sei, so muß man von dieser Kirchen sagen, die der Leib Christi heißt und Gemeinschaft hat nicht allein in äußerlichen Zeichen, sondern die Güter im Herzen hat, den heiligen Geist und Glauben.“ Diese reine Lehre aber hat Räthjen leider nicht mit Klarheit, Entschiedenheit und mit Bewußtsein der aus ihr folgenden Wahrheiten aufgefaßt. Das läßt sich schon daraus entnehmen, daß sie nur beiläufig polemisch, nicht in der Auseinandersetzung seiner Lehre von der Kirche selbst klar ausgesprochen wird. Auch macht sich der Irrthum, der ihm die rechte Lehre verwirrt und verdunkelt, schon in dem oben Mitgetheilten nicht undeutlich bemerkbar. Dieser Irrthum besteht erstlich darin, daß er die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes sehen will. Während Luther sagt: „Sie will nicht ersehen, sondern ergläubt sein;“ meint Räthjen: Sie will nicht ergläubt, sondern ersehen sein. Er spricht das in folgender Weise aus: „Auf die wichtige Frage: Wie weit bin ich der Kirche Jesu Christi gewiß? — geben wir die Antwort: so weit du des Heiligen Geistes gewiß bist; d. h. nicht, so weit du glaubst, daß Er wirkt; denn Er wirkt durch alles und überall, sondern so weit du hörst und siehst, daß Er angenommen wird und zwar angenommen in dem Maße, daß Er zum Bekenntniß von JEsu Christo dem Gottmenschen führt, und durch das Bekenntniß dieser lebendigen Wahrheit Menschen einigt. So weit und nur so weit kann man die Kirche sehen und in dieser Welt ihrer gewiß sein, daß sie da und dort vorhanden ist; nicht aber in Namen oder Ländern oder Kirchenregimenten. Man kann das Beste überall annehmen, das giebt aber keine religiöse Gewißheit. Daraus folgt: daß ich meiner Seele als in der Kirche seiend immer zuerst gewiß sein muß, und meine Stütze nie an andern Leuten suchen darf. Daß die recht sind, kann ich nie so gewiß wissen, als ich's von mir wissen muß. — Man darf nicht in's Hohe und Weite fahren; sondern auf dem kleinen Gebiete der Seele wird der Himmel aufgethan, und darnach wirst du sehen, ob du in der Gemeinde reines Wort und Sakrament hast und in welcher Verbindung deine Gemeinde steht. Und darin, zu welcher Gemeinde du dich hältst, will Christus von dir bekannt sein. — Dennoch ist die Seele nur zur Kirche gekommen durch die Kirche selbst, unsere Mutter; durch die Kirche als die himmlische. Das ist aber kein Consistorium, keine Landeskirche, keine Synode, keine Persönlichkeit eines einzelnen Predigers u. dgl., obwohl die alle zugleich Werkzeuge der himmlischen