# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S203 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. 203 Organismus oder wie einer spottet, „„ein Organismus ohne Glieder““; sondern ein Organismus mit Haupt und Gliedern und zwar solchen, die sich durch alle Zeiten hörbar und fühlbar machen. Wir haben sie aber nicht gemacht und werden sie nie machen, sondern wenn wir ihnen hören wollen, so können sie uns allenfalls wozu machen. Dieses ist aber ein so geistiges freies Gebiet, daß hier alles schöne Machen, das einer aufs beste vorhat zur unleidlichen Macherei wird und werden muß, wie die Erfahrung sattsam bestätigt. — Es ist uns sehr traurig zu hören, wenn man sagt: Die Kirche muß einen Organismus haben; darum halten wir Synoden und setzen uns Kirchenregimente. Das heißt fürwahr ganz aus dem göttlichen, himmlischen Gebiete der Kirche auf diese Erde zurückfallen, das heißt im Fleisch vollenden, was vielleicht im Geist angefangen war. — Nun, soll man nicht Synoden, nicht Kirchenrath haben? Das werden wir sehen. — Wir behaupten, wenn jemand sagt: Erst muß die Kirche reines Wort und Sakrament haben; das genügt aber nicht dazu, daß sie Kirche sei, sie muß sich auch einheitlich verfassen: so ist er nicht lutherisch und lehrt falsch von Christo, vom Wort und von der Kirche. Wenn's so wäre (wie etliche wollen), nun so wäre Wort und Sakrament Voraussetzung der Kirche, aber das eigentlich wirkende und handelnde wären die Menschen, sofern sie sich Ordnung gemacht haben oder noch machen, sie heißen nun Pabst, Cardinäle, Synode oder Kirchenrath. Das heißt eben unsere ganze Lehre auf den Kopf stellen, und es heißt ungefähr dasselbe, als ob einer sagte: Der Glaube ist zwar nöthig zur Seligkeit, aber daß er wirklich selig mache, dazu müssen doch die Werke das beste thun. Nein, Wort und Sakrament machen so völlig die Kirche, daß sie auch gleich den Organismus, auf den es ankommt, mitgemacht haben. Wer reines Wort und Sakrament wirklich annimmt und an sich wirken läßt, der ist damit auch sogleich in den ewigen und himmlischen Organismus der Kirche einverleibt, und er kann ihn nicht erst wollen suchen oder machen. Sollen Menschen durch besonderes Thun erst den Organismus machen, so sind schon Wort und Sakrament von ihrem Platze gedrängt, man mag nun mit Worten sagen, was man wolle. Solches sind leere Worte. — So behaupten wir denn, wo reines Wort und Sakrament sind, da ist gewiß die Kirche und da ist sie auch als Organismus, denn das ist sie immer.“ Nehmen wir noch hinzu, was Räthjen in seiner Polemik gegen die Partei des Pistorius ausspricht: „Daneben spricht diese Partei allen falschen Kirchen, also der römischen, reformirten und unirten in jeder Weise das Wort „„Kirche““ ab, denn nicht Taufe, noch andere Stücke der apostolischen Lehre machten die Kirche, sondern die reine Lehre und der Organismus um dieselbe. Die getauften Kinder sammt ihren Täufern z. B. in der römischen Kirche seien noch nicht als Theile der Kirche anzusehen, wenn sie auch beide an Christum von Herzen gläubig wären. Da wird die Summe der wahrhaft gläubigen und durch den Glauben Christo einverleibten, die also in Ewigkeit mal mit Christo triumphiren sollen, ohne Zweifel was anders als das, was diese Partei Kirche genannt haben will, denn auch sie giebt zu, daß aus den Ketzerrotten viele selig werden.“