# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S199 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. 199 Spannung und den offenen Ausbruch des Kampfes: „Es waren zwischen uns verschiedene Auffassungen von Kirche vorhanden und das ist wohl so von 1834 an gewesen. Man besprach das aber wenig. Manche meinten auch, es wäre natürlich und verstände sich von selbst, daß wir alle völlig übereinstimmten und etwaige Verschiedenheiten müßten mehr zugedeckt oder zugeschwiegen werden, als daß man sie eingestände, an's Licht zöge und im Lichte behandelte. Ein gewisser weltlicher Parteigeist wollte sich darin unser bemächtigen, welcher sich doch für die Partei der lauteren Wahrheit nicht ziemt. Wir dürfen keine Geheimnisse weder vor einander noch vor der Welt draußen haben; wir dürfen uns kein anderes Ansehen vor anderen geben, als es wirklich bei uns ist, damit Niemand höher von uns halte, denn er an uns siehet oder von uns höret. Wir müssen auftauchende Verschiedenheiten in der Lehre nicht vertuschen, sondern aufs fleißigste in Liebe besprechen und durch Gottes Wort ausgleichen. Das sind wir Christo, der ewigen Wahrheit, die für uns in den bittern Tod ging, schuldig; und was wir Ihm schuldig sind, das sind wir auch den Seelen bei uns und um uns her schuldig. Es sind bei uns Verschiedenheiten und zwar nicht unbedeutende oberflächliche, sondern alle Seelen berührende, um die jeder nach seiner Fassungskraft sich zu bekümmern die heilige Pflicht hat, denn jeder wird für seine Seele Rechenschaft geben müssen und kann diese Rechenschaft nicht anderen Leuten aufbürden. Unser Unterschied von den Unirten besteht aber darin, daß wir uns bei den vorliegenden Differenzen nicht ganz kühl beruhigen, sondern daß wir sie fort und fort anfassen und behandeln nach dem festen klaren Worte Gottes, welches auf alle geistlichen Fragen gewisse Antwort giebt, wenn man nur erst wirklich fragt. Nach Weise der Unirten würden wir handeln, wenn wir die Differenzen einfach leugneten oder zudeckten. Nein, ehrlich währt am längsten. Die Wahrheit hat den Sieg, wenn sie auch gekreuzigt wird; nach dreien Tagen wird sie auferstehen, dessen sind wir in froher Zuversicht. — Sehen wir den Stand unserer Dinge mit äußerlichen Augen an, so scheint er äußerst verworren, denn da sind nicht etwa blos zwei Seiten vorhanden, sondern, die in Einer Frage zusammen zu gehen scheinen, die gehen in einer anderen wieder auseinander. So ist das Leben dieser Welt aber immer, und darum ist noch nicht zu verzagen, wenn man sich nur dem Worte Christi, dem Geist der Wahrheit und Liebe nicht verschließt. Nach unserer Meinung sind doch nur zwei Hauptströmungen vorhanden, obwohl sie sich in manchen Wellen brechen. Die einen behaupten — und auf deren Seite stehen wir — daß Christi Kirche als Reich der Gnade und Wahrheit ein so innerliches, geistliches und himmlisches ist, daß es hier, wie es allein durch den heiligen Geist und nicht durch menschliche Autoritäten, Institutionen u. dgl. zu Stande gekommen ist, auch nur fort und fort durch den Heiligen Geist in Wort und Sacrament zu erhalten ist . . . Dagegen glauben wir bei unseren Gegnern nach ihren Worten ein Streben nach mehrerem und darum nach anderem als dem lauteren Gnadenworte wahrzunehmen, obwohl sich das sehr verschieden ausspricht.“ „Mancher