# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S198 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 198 Der Kampf innerhalb der preußischen lutherischen Kirche. Schon in der März⸗Nummer dieser Zeitschrift ist durch Mittheilung eines Aufsatzes aus Münkel's Zeitblatt auf die gegenwärtige Spannung unter den Lutheranern Preußens aufmerksam gemacht worden. Die neuesten Blätter aus der preußischen Kirche veranlassen uns, ein vollständigeres Bild des dort ausgebrochenen Kampfes unsern Lesern vorzulegen. „So ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit,“ sagt der Apostel von dem Leibe der Christenheit. Wer dieser geistigen Verbindung der Glieder im Glauben eingedenk ist, wird auch eine herzliche Theilnahme an diesem Kampfe nicht versagen können und Gott anrufen helfen, daß Er der Wahrheit unter den dort streitenden Brüdern den Sieg verschaffe zu seines heiligen Namens Ehre und zum Heile vieler Seelen. Und wer selbst, wie die Glieder unserer Synode, gewürdigt worden ist das Banner der Wahrheit unter schweren Kämpfen, jeder an seinem Theile, durch Gottes Gnade in der Höhe erhalten zu helfen wider die grimmigen Angriffe des Irrthums, der schaut gewiß auch mit theilnehmender Aufmerksamkeit auf das Gebiet hin, auf welches der Kampf um dieselben Güter der himmlischen Lehre sich jetzt vornämlich gewälzt hat. Wir benutzen als Quellen unserer Darstellung die Lutherische Dorfkirchenzeitung, herausgegeben von Pastor C. Räthjen in Neu⸗Ruppin, vom 1. Jan. bis 1. April 1860, und das Kirchenblatt für die evang. luther. Gemeinden in Preußen, herausgegeben von Kirchenrath Ehlers in Liegnitz, aus derselben Zeit. Schon die Erklärung und Bitte, mit welcher der neue Jahrgang der Luth. Dorfkirchenzeitung beginnt, weist auf den Eifer, mit dem man zu kämpfen gesonnen ist. Sie lautet: „Der Kampf wider unser Kleinod, die reine biblische Lehre unseres luth. Bekenntnisses, geht immer tiefer und weiter; unsere Feinde drohen mit Sturm von allen Seiten uns zu versenken. Dazu naht die Generalsynode, zu welcher umfassendere vorbereitende Besprechungen erforderlich sind. Da will ein Bogen monatlich nicht genügen. Ich bitte die l. Leser zu gestatten, daß ich die zwölf Jahresnummern in rascherer Folge gebe, und zwar am 1. jeden Monats mehre Bogen. Gegen Ostern etwa wird so dieser zwölfte Jahrgang 1860 von 12 Bogen abgeschlossen sein. Was dann weiter werden wird, wolle Gott zeigen. Jedenfalls gebe ich vor Ablauf der Zeit Nachricht. C. Räthjen.“ Am Schlusse dieses, in einem Vierteljahre zu Ende gebrachten, Jahrgangs berichtet der Herausgeber, daß mit dem 1. Mai eine im Vergleich mit der früheren um das dreifache vergrößerte Zeitschrift unter dem Titel: Kirchenzeitung für Lutheraner erscheinen soll. Die Gegenstände, um welche der Kampf sich bewegt, sind die Kirchenverfassung oder das Kirchenregiment und der Chiliasmus. Daß in diesem Kampfe verschiedene Lehren von der Kirche und vom Kirchenamte zu Tage treten, läßt sich voraussehen. Hören wir zuerst Räthjen im Allgemeinen über die Entstehung der