# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S32 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Im „Apolageten“ No. 457, leſen wir: „Die Fakultät von M'Kendree College hat Br. Wil⸗ helm Naſt die Würde eines Doctors der Theo⸗ logie ertheilt.“ Wir erwähnen dies nachträglich zu unſerer Rechtfertigung; auch dies haben wir nemlich erſt erfahren, nachdem unſer Aufſatz vom heiligen Abendmahl bereits geſetzt war. —— 2—— (Eingeſandt.) An den Lebensmüden mit ſeiner Klage: „Ach wer im Himmel wär!“ (Siehe „Lutheraner“ IV, 2.) O lieber Bruder, halte ein, Noch iſt's nicht Zeit zu ſterben, Erſt will noch mehr gekämpfet ſein Für and're Himmels⸗Erben. Gern theil' ich Deines Herzens Luſt, Von hinnen abzuſcheiden, Und an des ſüßen IEſu Bruſt Ohn' Sünde ſich zu weiden. Doch, Theurer, noch iſt es zu früh, Das Schwert ſchon hinzulegen, Mein Wunſch iſt, daß noch lang allhie Du ſtehen mögſt in Segen. Sieh' um Dich her! — Welch großes Feld Gab Dir Dein HErr zu bauen! In ſeinen Dienſt biſt Du erwählt: Sei unverzagt ohn' Grauen. Er giebt den Müden neue Kraft, Wie Adler aufzufliegen, Schenkt Dir des Glaubens Eigenſchaft, In jedem Kampf zu ſiegen. Sind gegen Dich der Feinde viel, Als Schwarm- und Rottengeiſter: Bleibt Chriſti Wahrheit Dir das Ziel, So werden ſie nicht Meiſter. 2* 2* 2—— An die Hirtenſtimme (oder Kirchenboten 2) und die Katholiſche Kirchenzeitung in Baltimore. Schon ſeit langer Zeit ſind dieſe unſere bis⸗ herigen Wechſelblätter nicht mehr eingegangen. Nun können und wollen wir ſelbige zwar keines⸗ wegs zwingen, mit uns fort und fort zu wech⸗ ſeln, da aber beide bisher fort und fort unſer ihnen regelmäßig zugeſandtes Blatt ohne Weige⸗ rung angenommen haben, ſo ſehen wir uns ge⸗ nöthigt, dieſelben mit Hinweiſung auf das 7. Gebot (oder nach reformirter Zählweiſe auf das 8.) an ihre Schuldigkeit zu erinnern. R. — Einſturz eines Kirchgebäudes. Noch vor kurzem, in der erſten Nummer dieſes Jahrgangs, haben wir unſern lieben Leſern die freudige Kunde gebracht, daß ſich in dem Städt⸗ chen Palmyra, Marion Co., Mo., ein kleines, unter ihrem Paſtor, Herrn Beſt, aufblühendes deutſch⸗lutheriſches Gemeindchen befinde, das am 8. Sonntage nach Trinitatis die Freude hatte, das erſte Mal den Gottesdienſt in ſeinem neuer⸗ bauten Kirchlein zu halten. Wir ſind veranlaßt, dieſer Gemeinde wieder Erwähnung zu thun; diesmal aber, um die Theilnahme unſerer Brü⸗ der an einem Unglück in Anſpruch zu nehmen, welches dieſelbe jüngſt betroffen hat. Am 18. Sonntag nach Trinitatis früh Morgens geſchah es nemlich, daß das Dach der neuerbauten Kirche zuſammenbrach und in ſeinem Fall die Seiten⸗ N wände auseinanderdrückte. 32 Er war das Werk eines Augenblicks, und die freundliche Kirche bot den Anblick einer öden Ruine dar. Nichts als die Giebelwände blieben ſtehen. Die Urſache hier⸗ von ſoll die ſchlechte Beſchaffenheit des zum Bau verwendeten Bauholzes ſein; der Haupt⸗Binde⸗ Balken war mitten entzwei gebrochen. Die kleine arme Gemeinde iſt durch dieſes Ereigniß. in nicht geringe Verlegenheit geſetzt. Sie preiſt zwar Gott für die gnädige Bewahrung, die ſie hierbei erfahren hat, denn wäre der Einſturz nur einige Stunden ſpäter geſchehen, ſo würde die ganze verſammelte Gemeinde unter den Trümmern ihres Gotteshauſes begraben worden ſein. Aber be⸗ kümmert fragt ſie, woher Mittel nehmen, um das in Schutt liegende Kirchlein wieder aufzubauen? Noch war dasſelbe nicht über die Hälfte bezahlt, und der Wiederaufbau würde nach der Berech⸗ nung Sachverſtändiger circa 3350 erfordern. — So wenig wir ſonſt geneigt ſind, die Laſten einer Gemeinde, inſonderheit was Kirchenbauten be⸗ trifft, andern aufbürden zu wollen, ſo fühlen wir uns doch gedrungen, uns in dem gegenwärtigen Falle an die Liebe unſerer Brüder zu wenden und dieſelben hierdurch um Unterſtützung der Ge⸗ meinde zu Palmyra zu Wiederherſtellung ihres Kirchleins anzuſprechen. Wir erbieten uns, an uns etwa eingeſandte Unterſtützungsgelder in Em⸗ pfang zu nehmen und darüber im Lutheraner zu quittiren; doch können ſolche auch unmittelbar an die betreffende Gemeinde unter der Adreſſe: Rev. J. P. Best, Palmyra, Marion Co., Mo., eingeſendet werden. Kirchliche Nachricht. Bremen, den 10. Auguſt. Im vorigen Mo⸗ nat ſind 300 Preußen mit dem Schiffe „Becke⸗ rath“ nach Südauſtralien abgegangen, und die⸗ ſem wird das neue Poſtſchiff „Gellert“ nachfolgen mit einer noch größern Anzahl preußiſcher Luthe⸗ raner, welche unter Leitung ihres Hirten, des Herrn Paſtors Oſter aus Poſen, eine Colonie gründen wollen, wozu ihnen auch von Seiten der ſüdauſtraliſchen Compagnie in London beſon⸗ dere Unterſtützung in Ausſicht geſtellt iſt. Der „Beckerath“ hat eine deutſche Preſſe zur Be⸗ gründung einer deutſchen Zeitung in der Stadt Adelaide mitgenommen. Zwei deutſche lutheriſche Prediger, Kavel und Fritſche, leben dort bereits ſeit 10 Jahren. Die feierliche Betſtunde. M. Martin Rinkart, der Verfaſſer des herrlichen Geſanges „Nun danket alle. Gott“ ꝛc. war Archidiaconus in ſeiner Vaterſtadt Eilen⸗ burg. Die Stürme des dreißigjährigen Krieges, welche Deutſchland verheerten, hatten ſich auch dieſer Stadt genahet. Schon waren die Bürger derſelben durch Peſt, Hungersnoth, feindliche Durchmärſche und Plünderung in Elend geſtürzt, als am 21. Februar 1639 der ſchwediſche Oberſt⸗ lieutenant von Dörfling vor die Thore Eilen⸗ burgs rückte, und 30,000 Thaler mit der Dro⸗ hung forderte, daß, wenn die Stadt dieſe Summe nicht zahlen würde, ſämmtliche Bürger mit weißen Stäben herausgehen ſollten. Der fromme Rinkart, welcher in dieſen harten Prüfungen ſchon oft durch ſein kräftiges Verwenden ſeine Vater⸗ ſtadt vom gänzlichen Untergang gerettet hatte, nahte ſich in Begleitung von Abgeordneten der Bürgerſchaft dem Quartiere Dörflings, um eine Fürbitte zu wagen. Allein, ſo demüthig und eindringend er ſelbige auch ſtellte, ſo wurde ſie dennoch von Dörfling kalt abgeſchlagen. Tief betrübt, doch im Hinblick zum HErrn wieder muthig erhoben, wendet er ſich zu den ihm fol⸗ genden Bürgern mit den Worten: „Kommt, meine lieben Kinder, wir haben bei den Menſchen kein Gehör noch Gnade mehr, wir wollen mit Gott reden!“ Er ließ zur Betſtunde läuten; klagend und jammernd ſtrömten die Unglücklichen dem Gotteshauſe zu und bald waren die Räume des⸗ ſelben gefüllt. Da trat Rinkart vor den Altar, ſtimmte mit freudigem Vertrauen das Lied an: „Wenn wir in höchſten Nöthen ſein“ ꝛc., knieete nach Beendigung desſelben mit ſeiner Gemeinde nieder, betete das Vater unſer und legte mit in⸗ brünſtigem Flehen und vielen Thränen das Schickſal der unglücklichen Bürger in die Hand des Allmächtigen. Noch war nicht das Amen dieſes heißen Flehens in den angefüllten Räumen des Gotteshauſes verhallt, als die Kunde von dieſer feierlichen Betſtunde zu dem ſchwediſchen Befehlshaber kam. Tief erſchütterte ſie das kalte Herz des Kriegers; Dörfling ließ von ſeinen For⸗ derungen ſo viel herunter, daß die ſchon ſehr ſchwer gedrückte Bürgerſchaft im Stande war, die Zahlung zu leiſten, ohne daß die Stadt dem gänz⸗ lichen Untergange Preis gegeben wurde. Kann ein einziges Gebet Einer gläub'gen Seelen, Wenns zum Herzen Gottes geht, Seines Zwecks nicht fehlen, Was wirds thun, Wenn ſie nun Alle vor ihn treten Und zuſammen beten! Woran iſt die wahre Kirche zu erkennen? Es iſt wohl und mit Fleiß zu merken, daß die Kirche nimmer nicht vollkommen heilig iſt ohne allen Makel und Aergerniß. Die rechte, wahre Kirche iſt, die da betet, und aus dem Glauben und mit Ernſt betet: „Vergib uns unſere Schuld, als auch wir vergeben unſern Schuldigern.“ Die Kirche iſt, die von Tage zu Tage immer zunimmt und ſich beſſert, die von Tage zu Tage den neuen Menſchen anlegt und anzeucht, und den alten ab⸗ legt. Die Kirche iſt, die des Geiſtes Erſtlinge, nicht aber den Zehenden, viel minder die Fülle, in dieſem Leben empfähet. Wir ſind noch nicht gar vom Fleiſch ledig und los, ſondern ſtehen im Werke, daß wir es ausziehen, und zunehmen oder beſſer werden. Was nun von Sünden noch übrig iſt, das ärgert die geiſtlichen Donatiſten, Ma⸗ nichäer, Papiſten, aber Gott ärgert es nicht, denn er verzeihet und vergibt es um des Glaubens willen an Chriſtum. Hierum wenn du willſt erkennen die Kirche, mußt du ſchlecht nicht dahin ſehen, da keine Laſter noch Aergerniß ſind, ſondern wo das reine Wort und rechtſchaffene Reichung der Sa⸗ cramente ſei, wo die Menſchen das Wort Gottes lieben und dasſelbige vor der Welt bekennen: wo du dieſe Stücke findeſt, da beſchleuß, daß die Kirche ſei. Es ſei ihrer gleich wenig oder viel an der Zahl, die ſolches haben oder thun, ſo iſt es doch gewiß, daß etliche ſein. (Luther in der Erklärung des 90ſten Pſalms.) Bezahlt. 2. Hälfte des 3. Jahrg. Herr Brockſchmidt sen. 3. Jahrg. Die HH. P. Schmidt (Ann Arbour), P. Hatt⸗ ſtädt (2 Ex.), Dr. Hunger. 1. Hälfte des 4. Jahrg. die HH. Ph. Ellinger und Kreutel. 4. Jahrg. Die HH. Biermann, Fr. Brockſchmidt, Hils⸗ kötter, Jac. Harlos, Joh. Hoffmann, P. Hattſtädt (7 Ex.), Dr. Hunger, Carl Jung, Jac. Knirr, P. Lochner, P. Lö⸗ ber, J. H. Landwehr, Fr. Sperber, Stullken, Jac. Trä⸗ ger, P. Wier, H. Wieſehan. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.