# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S183 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeſchichtliches. 183 II. Ausland. „Lutheriſche Rundſchau.“ Das iſt der Titel eines neuen „Monatsblattes für Wahrheit, Recht und Freiheit in der lutheriſchen Geſammtkirche Deutſchlands“, wel⸗ ches P. W. Quistorp aus Schwerinsburg in Vorpommern vom 1. April an erſcheinen läßt. In der Einladung zum Abonnement ſchreibt P. Quistorp: „Wohl ein kühnes Unternehmen Angeſichts der Ueberfülle von Blättern, auch von guten kirchlichen Blät— tern im evangeliſchen Deutſchland, und dennoch wollen wir es wagen im Namen des Herrn, dem allein Preis, Ehre und Anbetung gebührt, und dem zu Ehren jede Num⸗ mer ausgehen ſoll. Ein neues kirchliches Blatt muß ſeine Exiſtenzberechtigung und Nothwendigkeit erweiſen; füllt es nicht eine fühlbare Lücke aus, ſo wird es für die Kirche keine Bedeutung gewinnen und bald wieder verſchwinden. Fehlt nun wirklich in der gegenwärtigen kläglichen Nothlage der evangeliſchen Kirche Deutſchlands, wie ſie durch die innere Zerriſſenheit und Glaubensverſchiedenheit bedingt iſt, noch ein Blatt? Es fehlt ein Blatt, welches den Muth hat, die wahren Urſachen des gegenwärtigen Kirchenelends klar aufzudecken und mit dem richtigen Namen zu benennen, welches alle evangeliſchen Chriſten, die in den theologiſchen und kirchlichen Wirren der Zeit ein Verlangen nach der wahren Erkenntniß Chriſti und dem von Gott verordneten Wege zu unſerer Seligkeit haben, immer wieder auffordert, bußfertig zu Luthers Lehre und zum lutheriſchen Bekenntniß zurückzukehren. Es fehlt ein Blatt, welches die moderne Lehrentwickelung in der Theologie ſeit Kant und Schleiermacher, die evo— lutioniſtiſche Methode, die Kirchenlehre „fortzubilden“, als ſataniſchen Betrug ener— giſch bekämpft und der durch dieſe ganz unvernünftige Methode hervorgerufenen un⸗ aufhaltſamen Selbſtzerſetzung der evangeliſchen Lehre und der evangeliſchen Kirche auf alle Weiſe entgegentritt. Es fehlt zwar nicht an Blättern, welche der modernen Bekämpfung der heiligen Schrift als dem unfehlbaren Gotteswort ein freudiges Be⸗ kenntniß zur wörtlich vom Heiligen Geiſt eingegebenen Schrift gegenüberſtellen, aber es iſt nothwendig, daß dieſelben immer mehr Kampfgenoſſen erhalten, welche die hei⸗ lige Schrift als die alleinige und untrügliche Erkenntnißquelle der Kirche Chriſti ver⸗ theidigen, damit die von Schrift und Bekenntniß abgefallenen Theologen und Chri⸗ ſten erkennen, daß noch mehr als ſieben Tauſend in Deutſchland vorhanden ſind, die ihre Kniee vor dem modernen Baal, genannt ,vorausſetzungsloſe Wiſſenſchaft“, nicht gebeugt haben und nicht beugen werden. Es fehlt endlich ein Blatt, welches die Oekume⸗ nieität der lutheriſchen Lehre und der lutheriſchen Kirche kraftvoll betont und vertritt, eine innere Verſtändigung und ein brüderliches Zuſammenſtehen aller wahren Luthe⸗ raner anbahnen hilft und als weiteres Ziel auch ein äußeres Zuſammengehen und eine organiſche Verbindung bis zur Ausgeſtaltung einer deutſchen lutheriſchen Kirche vor Augen hat. So verfolgt denn die „Lutheriſche Rundſchau“ ein zwiefaches Ziel: alle Lauheit, Halbheit und Unentſchiedenheit unter den Lutheranern ohne Anſehen der Perſon zu bekämpfen, der Verzagten Muth zu ſtärken, ihr Glaubensleben ver⸗ tiefen zu helfen, ſie in der reinen Lehre zu befeſtigen und ſie auf die Wurzel ihrer Kraft, die tägliche Bußfertigkeit, unabläſſig hinzuweiſen. Die „Lutheriſche Rundſchau“ ſoll zweitens für das einzigartige und unbeſtreitbare Recht der lutheriſchen Lehre und der lutheriſchen Kirche, deren Glieder ſich nicht nur in den lutheriſchen Landes- und Frei⸗ kirchen, ſondern auch in den ſogenannten unirten Landeskirchen finden, gegen alle Mächte der Finſterniß ohne Menſchenfurcht und Menſchengefälligkeit mit den Waffen des Lichts kämpfen. Sie ſoll alle Beſtrebungen, welche auf äußere und innere Stär⸗ kung des Reiches Gottes in bibliſch-lutheriſchem Sinne hinzielen, unterſtützen und auf dieſe Weiſe dazu beitragen, daß Chriſtus in dieſen dunklen Zeiten des Unglau⸗ bens und Falſchglaubens verherrlicht und ſeine ſiegende Kraft vielen zu ihrem Heile offenbar wird.“ — Zu den Themata, welche für die nächſten Nummern in Ausſicht ge⸗