# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S176 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 176 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. als der höchsten Norm beurtheilt und bemessen werden müsse. Das Ganze besteht doch nur aus den einzelnen Theilen. So kann vernünftiger Weise die Meinung und Forderung nur die sein, daß man jede Lehre nicht nur nach den sedes doctrinae, sondern auch nach allen andern Schriftaussagen, die nicht von dieser Lehre handeln, bemesse. Das ist aber just das böse Ding, das Luther dem Erasmus und Zwingli vorgerückt hat, daß sie ihre Meinung immer mit solchen Schriftstellen zu beweisen suchten, die gar nicht zur Sache dienten. Der Erfinder dieser Methode des Schriftgebrauchs ist der, welcher den HErrn einmal aufforderte, von der Zinne des Tempels hinabzuspringen, und da einen Psalmspruch citirte, der gar nichts zur Sache that. Wenn ich aus dem richtigen, schriftgemäßen Satz: Ich bin aus dem Glauben oder in Ansehung des Glaubens gerecht worden, den Schluß ziehe: Also bin ich auch in Ansehung des Glaubens erwählt, so ist dieser letztere Satz kein Schriftwort, sondern eine ganz willkürliche Folgerung, meine selbsteigene Leistung. Unter der Firma „Analogie des Glaubens“, „Schriftganzes“, „Harmonie“ ꝛc. wird von jener Seite thatsächlich eigene Weisheit, Menschenwitz, ein rationalistisches Princip in die Schriftauslegung, in die Theologie eingeführt. Luther schreibt einmal, gegen Carlstadt: „Klare und gewisse Stellen durch Vergleichung mit andern auslegen wollen, das heißt die Wahrheit nichtswürdiger Weise verspotten und Wolken ins Licht bringen. Gleicherweise, wenn man alle Stellen durch Vergleichung mit andern auslegen wollte, so hieße das die ganze Schrift in einen unendlichen und ungewissen wüsten Haufen zusammenwerfen.“ (St. L. Ausg. XX, 327.) Am letzten Conferenztag wurde noch darüber debattirt, ob es angezeigt sei, diese freien Conferenzen fortzusetzen, da bisher kein Resultat erzielt worden ist. Einige der Anwesenden sprachen Bedenken aus, ob gerade solche große Conferenzen das geeignetste Mittel seien, eine Verständigung herbeizuführen, wenn überhaupt eine solche noch möglich, andere dagegen bezeugten, daß Verhandlungen über so wichtige Fragen des Glaubens immer von Segen seien und daß sie aus denselben bisher Manches gelernt hätten, und so wurde beschlossen, im Spätsommer nächsten Jahres eine Conferenz in Fort Wayne abzuhalten und da die Schriftlehre von der Gnadenwahl zu besehen. Ein Vorschlag, die Versammlungen hinfort mit Gebet zu beginnen und zu schließen, wurde fallen gelassen, als Glieder der Synodalconferenz darauf hinwiesen, daß doch jeder Theilnehmer gewiß für sich in der Stille bete, daß aber öffentliches, gemeinsames Gebet ein Zeichen und Stück der Kirchengemeinschaft sei und den falschen Schein erwecken würde, als wären alle Versammelten im Geist und Glauben einig und als hätten die vorhandenen Lehrdifferenzen weiter keine besondere Bedeutung. Etwa 500 Personen wohnten durchschnittlich den Conferenzversammlungen in Detroit bei, auch eine ziemliche Anzahl Lehrer und Gemeindeglieder. Die Liste der Conferenzbesucher wies 305 Namen von Pastoren, resp. Professoren auf, und zwar 124 aus der Missouri⸗Synode, 10 aus der Wisconsin⸗Synode, 3 aus der Minnesota⸗Synode, 4 aus der Michigan⸗Districtssynode, 6 aus der Englischen Synode von Missouri, 1 aus der Norwegischen Synode (dies die Angehörigen der Synodalconferenz), — 97 aus der Ohio⸗Synode, 23 aus der Jowa⸗Synode, 18 aus der Michigan⸗Synode, 3 aus der Buffalo⸗Synode, 1 aus der Vereinigten Norwegischen Synode, 10 aus dem Generalconcil, 5 aus der Generalsynode. G. St. Dritte allgemeine lutherische Conferenz. In Pittsburg, Pa., hielten vom 5. bis 7. April Vertreter des Generalconcils, der Generalsynode und der Vereinigten Synode des Südens die „Dritte Generalconferenz“ ab. Die Einigkeit, welche die Conferenz herstellen will, wurde durch einen gemeinsamen Gottesdienst unionistisch anticipirt. Das indifferentistische Gepräge dieser Versammlung trat auch gleich hervor in der Ansprache Dr. Jacobs'. Dem „Lutherischen Kirchenblatt“ von