# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S172 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 17² Kirchlich⸗ Zeitgeſchichtliches. Kirchlich⸗Zeitgeſchichtliches. I. Ameriea. „Theologiſche Quartalſchrift.“) Das iſt der Titel einer neuen Zeitſchrift der Wisconſin⸗Synode. Von der theologiſchen Stellung dieſer Quartalſchrift heißt es im Vorwort: „Wir ſind uns bewußt, daß wir nicht theologiſche Liebhabereien und Specialitäten vertreten, ſondern die Schrift ſelbſt: Die göttliche Entſtehung der Schrift durch die Wortinſpiration, die göttliche Autorität der Schrift, daß wir uns durch nichts beſtimmen laſſen als durch das klare Wort der Schrift, von welcher unſerer Stellung eben gegenwärtig unſere Weiſe, uns die Schrift durch die Schrift allein auslegen zu laſſen, ſowie im Beſonderen unſere Stellung in der Lehre von der Gnadenwahl, ſo zu ſagen, Exponenten ſind.“ Befaſſen will ſich dieſe Zeitſchrift mit dem ganzen Gebiete der Theologie, inſonderheit auch mit der Homiletik. Die uns vorliegende erſte Nummer enthält drei Artikel: 1. „Zum Weſen und Begriff der Theologie“; 2. „Die Analogie des Glaubens“; 3. „Neuere Fälſchungen des Schrift⸗ princips“. Der erſte Artikel — um nur etliche Proben zu geben — geht aus von der Thatſache, daß gegenwärtig faſt allgemein die Theologie im Unterſchied von der ge⸗ meinen chriſtlichen Erkenntniß als Wiſſenſchaft definirt werde. Dem wird entgegen⸗ geſtellt die lutheriſche Lehre des 16. und 17. Jahrhunderts: Theologie iſt ein habitus debedorog. Weiter ausgeführt wird der Gedanke, daß ſich die theologiſche Erkennt⸗ niß nicht der Art nach, nicht weſentlich unterſcheide von- der gemein chriſtlichen Erkenntniß. Alle Erkenntniß in der Kirche (der Theologen, Prediger und Laien) iſt eben Schrifterkenntniß. S. 5 heißt es: „Nun iſt aber unter Theologie beſonders die gelehrte Theologie, von der vorzugsweiſe den Theologen eben der Name „Theo⸗ logen“ vindicirt wird (Quenſt. 1. C. Th. XVIII) und die im engſten Sinne die ſyſtematiſche oder dogmatiſche Theologie iſt, verſtanden worden. Da fragt ſich, ob eine ſo geartete Theologie zum Beſtande, oder wenigſtens zum Wohlbeſtande (bene esse) des Chriſtenthums nothwendig ſei. Für die bejahende Antwort führen unſere Theologen unter andern folgende Beweiſe. Einmal ſei der Sache nach in der Schrift eine ſolche Theologie beſchrieben und auch gefordert. Dies iſt die Begründung aus den als Synonymen der Theologie vorausgeſetzten Worten, z. B. Erkenntniß Ovα¹ια, Sννοαινε, Luc. I, 77. Col. 1, 9.; Weisheit (cosia), 1 Cor. 2, 7. 12, 8.; Gottſeligkeit (οαεοα,‚ 1 Tim. 3, 18., und Erkenntniß der Wahrheit zur Gott⸗ ſeligkeit. Aber dies ſind nicht Dinge, die über den allgemeinen Chriſtenſtand hinaus auf eine beſondere Klaſſe von Gottesgelehrten gehen, ſondern nur Synonyme der Theologie in dem Sinne, wie ſie Gott jedem nach der lauteren Milch nicht nur, ſon⸗ dern nach der ſtarken Speiſe begehrenden Chriſten ſchenkt.“ S. 10: „Was Gott nach ſeinem Wohlgefallen der Kirche durch ſein Wort und Heiligen Geiſt gibt, das nehmen wir mit Dank und preiſen es hoch und halten es hoch nach Gebühr. Es iſt aber ein beträchtlicher Unterſchied zwiſchen dem, daß die Theologie, auch als ſo⸗ genannte ſyſtematiſche, wirklich und in vollem Sinne als eine Gabe Gottes erkannt und verſtanden wird, die er nach ſeinem Wohlgefallen durch Wort und Geiſt nach der Methode Luthers: durch Gebet, Meditation und Anfechtung gibt, und zwiſchen dem, daß man von einer Nothwendigkeit einer gelehrten, ſyſtematiſchen Theologie ſchlechthin ſpricht, als von einer ſo nothwendigen Sache, daß ohne ſie ſo manche hochbedeutende Gaben, wie etwa Weisheit (cocia), gar nicht in voller Geſtalt vor⸗ 1) Milwaukee, Wis. Northwestern Publishing House. 48 Seiten ſtark. Preis per Jahr⸗ gang 81.00.