# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S195 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Editorielle Correspondenz. 195 ist, in welcher unsere Synode in America steht. Sie ist ein Kleinod, welches anderwärts fast gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint. Hier wenigstens ist es schwer auch nur zwei zu finden, die in wahrer Lehr- und Glaubenseinigkeit stehen. Eine gewisse Art von Einigkeit findet sich allerdings auch außerhalb unserer Synode. Aber welche zumeist? — Hier eine auf Indifferentismus oder Gleichgültigkeit in Absicht auf Lehrreinheit beruhende negative, wobei man nur darin einig ist, daß die Uneinigkeit in vielen wichtigen Puncten zu übersehen und nichts desto weniger Friede zu halten und brüderliches und kirchliches Zusammenwirken nicht aufzugeben sei; ich meine die Einigkeit des Unionismus und der sogenannten „offenen Fragen;“ dort eine Einigkeit des Fanatismus, der Partheisucht und donatistischer Sectirerei, die, wie sich denn die Extreme immer berühren, darin mit der ersten zusammenfällt, daß sie nur in den Puncten unerbittlich ist, welche zum Schiboleth der Parthei gehören; hier die commandirte Einigkeit einer Staatskirche, die nur so weit geht, als zum Zusammenbleiben des äußerlichen Organismus nöthig ist; dort die römisch⸗papistische Einigkeit der Fides implicita und gemeinsamen Unterwerfung unter die letzte Entscheidung eines Kirchenregenten; hier die Einigkeit vermittelst Annahme mehrdeutiger Formeln, dort vermittelst Anerkennung sogenannter wesentlichen Lehren im Gegensatz sogenannter minder wesentlichen, also doch wesentlichen; hier die Einigkeit der Verfassung, der Ceremonien, der Liturgie, dort die Einigkeit des Kampfes gegen einen gemeinschaftlichen Feind oder des Zusammenwirkens zu Ausrichtung gewisser Werke. Und wer mag alle die Arten der Einigkeit nennen, die nichts als ein Schemen der wahren ist und mit der man dennoch letztere zu besitzen wähnt. Eine wie ganz andere ist hingegen diejenige, in welcher unsere Synode steht! Schüler derselben Lehrer, eines Luther und seiner treuen Nachfolger, sind wir zu der klaren Erkenntniß und lebendigen Ueberzeugung gekommen, daß unsere theure evangelisch⸗lutherische Kirche, wie sie ihre Lehre in ihren Bekenntnissen dargelegt hat, in allen Puncten mit Gottes Wort übereinstimmt, die wahre Fortsetzung der alten apostolischen Kirche, kurz, gegenwärtig die allein rechtgläubige ist. In diesem großen Principe unter uns einig, verbindet uns ein herzliches brüderliches Vertrauen, so daß wir trotz alles eifersüchtigen Wachens über unsere Lehr⸗ und Glaubenseinigkeit doch frei sind von jenem Inquisitionsgeist, der das Bruderband so leicht zu einer drückenden eisernen Kette macht; auf der andern Seite verhütet das gegenseitige Zutrauen, daß wir bei unter uns offenbar werdenden noch vorhandenen Lehrdifferenzen nicht beflissen sind, dieselben zu verdecken und zu vertünchen, solche Puncte dann nicht, um äußerlich einig bleiben zu können, für „offene Fragen“ erklären und gegenseitig Compromisse eingehen, sondern die sich äußernde Differenz herauskehren und nicht ruhen mit Suchen und Forschen in Gottes Wort und in den Zeugnissen der Kirche und Kirchenlehrer, mit Colloquiren und Disputiren privatim und öffentlich, bis die Einigkeit auch in den Puncten, wo sie Noth leiden wollte, erzielt ist. Wohl sind wir weit entfernt, unsere Einigkeit bedingt sein zu lassen durch allgemeine Uebereinstimmung in wirklich