# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S194 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 194 Editorielle Correspondenz. lebte ein Mann, der einst vor nun beinahe zwei und zwanzig Jahren mit uns Sachsen nach America auswanderte, nach zweijährigem Aufenthalt daselbst aber wieder zurückkehrte, dessen Herz jedoch bei der Kirche in America blieb und an dem unsere Synode, mit der er in Geist und Glauben völlig einig war, hier in Deutschland den innigsten Freund und Anwalt hatte; es ist Herr Franz Adolph Marbach, Königl. Sächs. Finanzrath, Ritter ꝛc. Als ich das erste mal auf meiner Tour von Hamburg nach Leipzig kam, traf ich denselben, obwohl er in dem 63. Jahre seines Alters stand, noch fast jugendlich frisch und stark an Leib und Geist und erquickte und stärkte mich in jeder Beziehung im Umgange mit dem theuren Manne. Als ich das zweite mal Leipzig berührte und seiner dringenden Einladung, bei ihm zu wohnen, folgte, fand ich ihn an periodischem Kopfschmerz leidend, jedoch in den schmerzfreien Stunden noch immer geistig lebhaft und fruchtbar. In der Hoffnung, daß das Uebel bald gehoben sein werde, machte ich nun auf einige Tage einen Excurs, nach dessen Beendigung ich in der Erwartung zurückeilte, mich nun ferner, und zwar nun unbehindert, durch den Verkehr mit Genanntem bereichern zu können. Aber siehe! Gottes Gedanken waren ganz andere gewesen. Schon am Tage vor meiner Zurückkunft, am Mittwoch den 6. Juni, war er, mein innigster Freund im alten Vaterlande, sanft im Bekenntniß Christi, der einzigen Hoffnung seiner Seele, entschlafen. Das Einzige war mir noch vergönnt, die Hand seiner theuren Leiche zu drücken und derselben am Sonnabend den 9. Juni zu ihrer Ruhestätte zu folgen, wobei ich eine trostvolle herrliche Grabrede hörte, die dem Seligen sein Beichtvater und Freund, Herr Pastor Dr. Ahlfeld, über die Worte hielt: „Wer mich bekennt vor den Menschen“ ꝛc., indem er denselben als einen bis zum Tode treuen und hochgesegneten Bekenner seines HErrn darstellte und aus seinem Leben schilderte. Je empfindlicher so manchem das offene und entschiedene Zeugniß des Entschlafenen im Leben für die lautere Wahrheit und gegen alle Irrlehre und unlauteres Wesen gewesen war, um so erfreulicher waren die nach seinem Tode mündlich und schriftlich laut werdenden Zeugnisse von Männern aus den verschiedensten Ständen, ebenso von Gelehrten als von einfältigen Laien, ebenso von Hochgestellten bis zu Fürsten hinauf, wie von den geringsten Dienstboten, daß der Verstorbene ihnen Licht und Salz und zu einem nicht geringen Theile selbst das Werkzeug ihrer Errettung aus dieser argen Welt gewesen sei; von dem, was er als Staatsmann von eminenten Kenntnissen, reichster Erfahrung, tiefem Scharfblick, seltenster Gewandtheit, unbestechlicher Treue und rastloser Thätigkeit dem Staate und der Gesellschaft, selbst in den Zeiten der ärgsten Verwirrung, gewesen ist, hier nicht zu reden. Sein Gedächtniß, als eines Gerechten, obwohl im Leben vielfach Verkannten, wird in Segen bleiben. — Darf ich nun noch bei völligem Mangel an zu berichtenden Ereignissen hier das aussprechen, was mein Herz bei dem Zusammentreffen mit einer großen Anzahl hiesiger Kirchendiener und Kirchenglieder bewegt hat, so muß ich bekennen, daß dies vor allem die Einigkeit in Lehre und Glauben gewesen