# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S158 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 158 Die neuere Pentateuchkritik. bei dieſen beiden Beiſpielen die Kritiker ſelbſt nicht einig, und König z. B. geſteht zu: „Bethel wäre für Moſe nur ein relativer Anachronismus, weil nach der Geneſis ſelbſt ſchon vor ſeiner Zeit jener Name an Stelle des älteren Lus trat, 28, 19. 35, 6. 15. Joſ. 18, 13. Richt. I, 20. Hebron kann nicht beſtimmt als nachmoſaiſch bezeichnet werden, weil nicht angegeben iſt, wann jener Name den älteren Qirjath-Arba, Joſ. 14, 15. 15, 13. Richt. 1, 10., verdrängt hat, und weil Calebs Nachkomme Hebron, 1 Chron. 2, 42., ebenſogut ſeinen Namen von der Stadt, wie dieſe von ihm haben kann.“n“) Wir gehen deshalb auf dieſe beiden Städtenamen nicht weiter ein. Hingegen ſagt König ganz apodiktiſch: „Dan, Gen. 14, 14. Deut. 34, 1., wäre für Moſe abſoluter Anachronismus. Denn der Name entſtand erſt in der Richterzeit für Leſchem, Joſ. 19, 47., oder Lajiſch, Richt. 18, 29.“1) Und ebenſo urtheilt Strack: „Dieſen Namen (Dan) erhielt die Stadt Lajiſch oder Leſchem erſt nach ihrer Eroberung durch die Daniten.“2) Betrachten wir darum dieſes Beiſpiel etwas genauer. Wir leſen Gen. 14, 14. f., daß, „als Abram hörete, daß ſein Bruder (Lot) gefangen war“ (von den vier Königen Amraphel, Arioch, Kedor-Laomor und Thideal), „wappnete er ſeine Knechte, dreihundertundachtzehn, in ſeinem Hauſe geboren, und jagte ihnen nach bis gen Dan, und theilte ſich, fiel des Nachts über ſie mit ſeinen Knechten und ſchlug ſie und jagte ſie bis gen Hoba, die zur Linken der Stadt Damaskus liegt“. Deut. 34, 1. wird berichtet, daß der HErr dem Moſe vor ſeinem Tode vom Berge Nebo aus „das ganze Land Gilead zeigte bis gen Dan“.s) Dagegen wenden alſo die Kritiker ſeit alten Zeiten ein, daß dieſe Stellen nothwendig als nachmoſaiſch ange— ſehen werden müßten, da erſt in der Zeit Joſuas, nach Moſis Tod, erzählt werde: „Die Kinder Dan zogen hinauf und ſtritten wider Leſem und ge⸗ wannen und ſchlugen ſie mit der Schärfe des Schwerts und nahmen ſie ein und wohneten drinnen und nannten ſie Dan nach ihres Vaters Namen“, Joſ. 19, 47. „Sie (die Kinder Dan) kamen an Lais, an ein ſtill, ſicher Volk, und ſchlugen ſie mit der Schärfe des Schwerts und verbrannten die Stadt mit Feuer. Und war niemand, der ſie errettete, denn ſie lag ferne von Zidon, und hatten mit den Leuten nichts zu ſchaffen, und ſie lag im Grunde, welcher an Beth-Rehob liegt. Da baueten ſie die Stadt und woh⸗ neten drinnen und nannten ſie Dan, nach dem Namen ihres Vaters Dan, der von Iſrael geboren war. Und die Stadt hieß vor Zeiten Lais“, Richt. 18, 27. ff. Hier ſcheint wirklich eine Schwierigkeit vorzuliegen, da der erſte Gedanke natürlich der iſt, daß an allen Stellen dieſelbe Stadt ge⸗ meint iſt. Die Kritiker nehmen dies auch ganz zuverſichtlich an. Aber die Identität des Gen. 14, 14. und Deut. 34, 1. erwähnten Dan mit dem 1) Einleitung, S. 160. 2) Einleitung, S. 25. 3) Wir laſſen die Berufung auf dieſe Stelle vorläufig gelten, obwohl wir ſpäter nachzuweiſen gedenken, daß das ganze 34. Capitel des Deuteronomiums ein nach Moſis Tod geſchriebener Anhang zum Pentateuch iſt.