# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S157 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Die neuere Pentateuchkritik. 157 wie auch Ewald und andere wirklich thaten und die Bemerkung in Ver⸗ bindung brachten mit der im vorhergehenden Capitel berichteten Zerſtreuung des Menſchengeſchlechts, Gen. 11, 9. Wir weiſen beide Faſſungen ab und ſagen mit Hengſtenberg, Green und andern: Dieſe drei Worte (im Grund⸗ text) conſtatiren lediglich, daß die Cananiter im Lande waren in den Tagen des Abraham, ohne jede Reflexion und Rückſicht darauf, daß es eine Zeit gab, in der ſie noch nicht oder nicht mehr dort waren. Bei dieſer Erklärung erſcheint nicht, wie König und andere einwenden, das „damals“ als völlig überflüſſig, wird auch nicht einfach übergangen, ſondern es hebt hervor, daß zwiſchen der Zeit, die hier beſchrieben wird, und der Zeit des Schreibers eine Zwiſchenzeit liegt, bekanntlich nicht weniger als rund 600 Jahre. Und fragt man endlich, was dieſe Bemerkung ſolle, da doch ſchon aus Gen. 10, 13. ff. bekannt geweſen ſei, daß die Cananiter im Lande wohnten, und ſich dies auch aus den unſerm Verſe ganz kurz vorhergehenden Worten: Sie „zogen aus zu reiſen in das Land Canaan“, V. 5., ergebe, ſo iſt zu antworten, daß dieſe Bemerkung durchaus nicht zwecklos iſt, ſondern ganz trefflich in den Zuſammenhang paßt. Der Gegenſatz der Gegenwart und der Zukunft, der gegenwärtigen Wirklichkeit und der großen und wunderbaren Verheißung wird dadurch recht markirt. Abraham, der Träger der Verheißung, V. 1æff., kommt als Fremdling und Pilgrim in das Land, das von Cananitern be— wohnt und beſetzt war, und nennt keinen Fußbreit Landes ſein eigen. Da erſcheint ihm der HErr und ſpricht: „Deinem Samen will ich dies Land geben“, V. 7. Und Abraham glaubt und traut der göttlichen Verheißung, der Thatſache zum Trotz, daß das Land in den Händen der Cananiter war, und gibt ſeinen Glauben dadurch kund, daß er an der Stätte der göttlichen Erſcheinung und Verheißung dem HErrn einen Altar errichtet, V. 7. Dar⸗ auf weiſt das Neue Teſtament hin, wenn es Hebr. 11, 8. f. ſagt: „Durch den Glauben ward gehorſam Abraham, da er berufen ward, auszugehen in das Land, das er ererben ſollte; und ging aus und wußte nicht, wo er hin⸗ käme. Durch den Glauben iſt er ein Fremdling geweſen in dem verheißenen Lande, als in einem fremden.“ — In ähnlicher Weiſe läßt ſich auch die ver⸗ wandte Stelle, Gen. 13, 7.: „So wohneten auch zu der Zeit die Cananiter und Phereſiter im Lande“, erklären. Eine zweite Reihe von Postmosaica findet die Kritik in einer Anzahl Stellen, in denen ältere Ortſchaften mit ihren ſpäteren Namen, die ſie erſt nach Moſis Tod erhalten haben ſollen, bezeichnet werden. Als Beiſpiele werden angeführt: die Stadt Bethel, Gen. 12, 8. 13, 3. 28, 19. 35, 6. 15., die doch urſprünglich Lus geheißen, Gen. 28, 19. 35, 6., und noch zur Zeit von Joſ. 18, 13. dieſen Namen geführt habe; ferner die Stadt Hebron, Gen. 13, 18. 23, 2., die urſprünglich den Namen Kiriath-Arba, Gen. 23, 2. (Luther hat an dieſer Stelle den Eigennamen Kiriath-Arba mit „Hauptſtadt“ überſetzt), getragen und erſt nach Moſis Tod den Namen Hebron erhalten habe, Joſ. 14, 15. 15, 13. Richt. 1, 10. Doch ſind ſich