# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1860_S193 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VI. Juli 1860. No. 7. Editorielle Correspondenz. Zürich, den 16. Juni 1860. Geehrter Herr Redacteur! Längst schon war es meine Absicht, Ihnen, als meinem zeitweiligen Stellvertreter in der Redaction dieser Zeitschrift, und durch Sie den geehrten Lesern derselben während meiner Abwesenheit in Europa ein Lebenszeichen zuzusenden; allein immer hat es mir bisher an jener Stille gefehlt, die es zu einer hiezu nöthigen Sammlung schlechterdings bedarf. Diese Stille ist mir denn endlich (ich gestehe es, wider Willen) dadurch geworden, daß mich heute ein schon seit mehreren Tagen andauernder Regen in der Geburtsstadt des Zwinglianismus festhält und mir nicht gestattet, wie ich beabsichtigte, sogleich nach meinem Eintritt in die malerischen Schweizerthäler auf den ersten vielbesuchten Höhepunct im Osten der Schweiz, den bekannten Rigi, loszusteuern und seine hoch in die Wolken ragende Spitze zu erklimmen. *) Diese mir aufgenöthigte Stille benutze ich denn mit Freuden, Sie und Ihre Leser wieder einmal aus der Ferne etwas von mir hören zu lassen. Da ich meine gegenwärtige Reise lediglich zum Zweck der Restituirung meiner gesunkenen Gesundheit mache, so kann es mir nicht einfallen, irgend jemanden mit einer Beschreibung derselben behelligen zu wollen. So günstig meine lange Reise von New-Orleans nach Hamburg und von da nach Leipzig, Zwickau, Waldenburg, Burgstädt, Hohenstein, Chemnitz, Halle, Zeiz, Greiz, Cahla, Roda, Nürnberg, und zum Theil in die Nachbarschaft dieser Städte, auf meine Gesundheit durch Gottes Segen gewirkt hat, so arm ist sie doch an Ereignissen gewesen, deren öffentliche Mittheilung von Interesse und Nutzen sein könnte. **) Nur Ein Ereigniß kann ich nicht mit Stillschweigen übergehen, und zwar ein überaus niederschlagendes, trauriges. In Leipzig *) Auf Rath meines americanischen Arztes habe ich nehmlich nach bereits auf See eingetretener Veränderung meines Gesundheitszustandes hiesige Aerzte consultirt, welche mir anstatt eines Mineralbades, das ich zu brauchen gedachte, Fußreisen in frischer Bergluft dringend angerathen haben. **) Auch München hätte ich so gern zum Ziele meiner Reise gemacht, um hier den Herrn Reichsrath Dr. Harleß aufzusuchen; leider! mußte ich jedoch hören, daß der hochverehrte Mann leidend sei und sich daher eben jetzt im Bade Gastein aufhalte. 13