# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S151 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Schriftbeweis für die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahl. 151 wird; das thut zu meinem Gedächtniß. Das iſt der Kelch, das neue Teſta⸗ ment in meinem Blut, das für euch vergoſſen wird.“ (Luc. 22, 19. 20.) Paulus endlich gibt die Worte ſo wieder: „Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib, der für euch gebrochen wird; ſolches thut zu meinem Gedächtniß. Dieſer Kelch iſt das neue Teſtament in meinem Blut; ſolches thut, ſo oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtniß.“ (1 Cor. 11, 24. 25.) Es finden ſich alſo hier erhebliche Verſchiedenheiten, auch erkennen wir, daß Matthäus und Marcus auf der einen und Lucas und Paulus auf der andern Seite ſich in ihrem Berichte ſehr ähnlich ſind. Aus dieſer Verſchiedenheit der vorliegenden Berichte haben die Gegner Capital ſchlagen wollen. Sie ſagen, man könne nach dieſen verſchiedenen Berichten nicht mehr entſcheiden, welches die ipsissima verba Chriſti ge⸗ weſen ſeien, welche Worte eigentlich der HErr bei der Einſetzung des heiligen Abendmahls gebraucht habe.!) Es könne daher auch unmöglich ſo viel auf die einzelnen Worte ankommen, ſo ſchließt man weiter. Die lutheriſche Kirche, die altlutheriſche Dogmatik überſpanne die Sache, wenn ſie ſo feſt auf den einzelnen Worten ſtehe. Darauf antworten wir dieſes: Wir können jeden einzelnen der vier Berichte, die wir von der Einſetzung haben, vor uns nehmen und ihn für ſich inſonderheit prüfen, und wir werden jedesmal die⸗ ſelbe Lehre vom Abendmahl finden, wenn wir ſchlicht und einfach beim Wort⸗ laut bleiben, dieſelbe Lehre, die unſere Kirche durch Gottes Gnade bekennt. Wir antworten ferner: Es iſt nicht an dem, daß wir nicht mehr feſtſtellen könnten, welches die ipsissima verba Chriſti ſeien. Die Sache ſteht ſo. Alle dieſe Worte, welche ja die Evangeliſten und der Apoſtel nicht aus ihrem Gedächtniß, ſondern aus Eingebung des Heiligen Geiſtes niedergeſchrieben haben, ſind ipsissima verba Chriſti, Worte, die Chriſtus bei der Einſetzung dieſes Sacraments gebraucht hat. „Indem er (der HErr nämlich) im Kreiſe der Jünger die Runde machte, brauchte er einmal dieſe, einmal jene Formel. Welche Worte er aber auch wählte, der Sinn war immer derſelbe.“ (Stöck⸗ hardt, „Die bibl. Geſch. d. N. T.“, S. 206.) Und der Heilige Geiſt hat dieſe verſchiedenen Berichte uns aufzeichnen laſſen, damit wir um ſo fleißiger die einzelnen Worte an einander halten, ſie mit einander vergleichen und ſie zuſammenfügen, damit ihr Sinn und ihre Meinung uns um ſo klarer und gewiſſer werde. Chemnitz ſchreibt: „Die Wiederholungen der Einſetzung des Abendmahls zeigen ſelbſt klar, aus welcher Urſache und in welcher Ab— ſicht ſie vom Heiligen Geiſt in der Schrift aufgezeichnet ſind. Denn die Worte ſind ſo geſtellt, daß ſie entweder durch Wiederholung oder Veränderung oder Hinzufügung zeigen, daß der Heilige Geiſt durch eben dieſe Wieder⸗ 1) So heißt es z. B. in der dritten Auflage der Herzogſchen Realencyklopädie (Bd. I, S. 35): „Welches die ipsissima verba Jesu Christi ſind, läßt ſich nicht feſtſtellen. Die Frage wäre nur, ob die reicheren Formen dem Sinne Jeſu ent⸗ ſprechen, oder dem urſprünglichen Sinn etwas hinzufügen, bzw. ihn vereinſeitigen“ (alſo mit andern Worteht ihn verfälſchen).