# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S150 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 150 Schriftbeweis für die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahl. nicht aus den Worten der Einſetzung, die ſie im eigentlichen Sinn, einfach wie ſie lauten, verſtanden haben, ſondern ſie nehmen es aus andern Stellen der heiligen Schrift, die meiſtens nichts vom Abendmahl ausſagen, von denen der eine dieſe, der andere jene ſich auswählt, ein jeder nach ſeiner Analogie,‚ die er ſich ſelbſt erdacht hat. Und nachdem ſie aus andern Stellen der Schrift feſtgeſtellt haben, was ſie vom Abendmahl glauben wollen, dann erſt gehen ſie an die Worte der Einſetzung; und dann beſteht ihre Arbeit und Mühe darin, daß ſie ihre anderswoher erlangte Meinung in die Worte der Einſetzung hin⸗ eintragen durch eine bildliche Auslegung oder eine ſolche, die irgendwie dem Text Gewalt anthut.“ )) Wir betrachten alſo zunächſt die Worte der Einſetzung des heiligen Abendmahls. Es hat dem Heiligen Geiſt geſallen, uns die Einſetzung dieſer Stiftung Chriſti nicht nur in Einem Bericht überliefern zu laſſen. Wir haben bekanntlich in der Schrift vier Berichte darüber, von den drei Evangeliſten, Matthäus, Marcus, Lucas, und von dem Apoſtel Paulus, 1 Cor. 11. Sehen wir uns dieſe verſchiedenen Berichte an, ſo erkennen wir ſofort, daß ſie nicht wörtlich übereinſtimmen, daß ſelbſt die Worte Chriſti, die er bei der Aus⸗ theilung des Brodes und des Weines gebraucht hat, nicht buchſtäblich genau in den verſchiedenen Berichten dieſelben ſind. Bei Matthäus heißt es: „Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib.“ „Trinket alle daraus, das iſt mein Blut des neuen Teſtaments, welches vergoſſen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matth. 26, 26. 28.) Marcus berichtet ganz ähnlich. Nur läßt er bei der Austheilung des Kelches die Worte fort: „Trinket alle dar⸗ aus“, und berichtet dafür: „Und ſie tranken alle daraus.“ Auch fehlt in ſeinem Berichte das 7½, welches Matthäus hinter das rodro geſetzt hat; ebenſo fehlen die Worte: „zur Vergebung der Sünden“. (Mare. 14, 22—24.) Lucas berichtet uns die Worte ſo: „Das iſt mein Leib, der für euch gegeben 1) „Sicut quaevis ecclesiae dogmata et singuli articuli fidei in certis qui- busdam scripturae locis suam propriam quasi sedem habent, ubi ex professo tractantur et explicantur, ita ut vera et genuina ipsorum sententia ex illis locis recto petatur et certo extruatur: ita extra controversiam est, rectam fidem de coena Domini habere peculiarem suum locum et propriam sedem in verbis institutionis. Quis vero hoc nesciat, inquis, aut quis sanus hoc nega- verit? Ego vero respondeo, verbis omnes hoc fatentur et concedunt, sed cum ad rem ventum fuerit, plane diversum fit. Sacramentarii enim omnes, quot- quot sunt, quod de coena Domini credere et sentire velint, non ex verbis in stitutionis, proprie et simpliciter sicut sonant intellectis sumunt, sed ex aliis scripturae locis, quos plerosque de coena Domini nihil loquentes alius alios sua quadam, quam sibi quisque fingit, analogia deligit, praesumunt. Et post- quam ex aliis scripturae locis constituerunt, quid de coena Domini sentire velint, tunc demum ad verba institutionis acceditur, atque tune hoc opus, hic labor est, ut aliunde concepta sententia in verba institutionis figurata et violenta aliqua interpretatione intrudatur.“ (Fundamenta Sanae Doctri- nae etc., p. 9.)