# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S149 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Schriftbeweis für die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahl. 149 und getrunken wird. Darüber aber, wie das geſchieht, wie das möglich iſt, ſagt unſere Kirche nichts aus und will ſie nichts ausſagen; das überläßt ſie getroſt Chriſto, dem allmächtigen und wahrhaftigen Stifter des Abendmahls, deſſen Wort ſie einfach im Glauben hinnimmt, wie es daſteht und lautet. Mit dieſer Lehre nun lehrt unſere Kirche nichts anderes, nicht mehr und nicht weniger, als was Gottes Wort klar und deutlich ausſagt. Es iſt un⸗ ſere Aufgabe, das jetzt des Weiteren nachzuweiſen. Will man die Schrift⸗ gemäßheit einer Lehre nachweiſen, ſo kann das nur ſo geſchehen, daß man die Ausſprüche der Schrift anſieht und prüft, die ex professo von der betreffenden Lehre handeln, alſo die sedes doctrinae, die loci classici der betreffenden Lehre. Man darf nicht aus andern Stellen der Schrift, die von der betreffenden Lehre nicht inſonderheit handeln, ſich eine Lehre conſtruiren und darnach dann die hellen und klaren Stellen drehen und deuteln wollen, wie es die Schwärmer ſo gerne thun, beſonders auch bei der Lehre vom heiligen Abendnahl. Man darf nicht auf Grund einer ſoge⸗ nannten analogia fidei die einzelnen Lehren vernunftgemäß in Einklang zu bringen ſuchen und darnach die klaren Ausſagen der Schrift modificiren und abſchwächen. Wer ſo eine Lehre als ſchriftgemäß beweiſen will, der läßt damit in der That das Formalprincip der Theologie fahren, daß allein Gottes Wort Artikel des Glaubens ſtellen ſoll, der ſetzt ſeine Vernunft als Meiſterin über die Schrift, der nimmt ſeine Lehre nicht aus den klaren Worten der Schrift, ſondern conſtruirt ſie ſich ſelbſt aus ſeiner Vernunft. Darum verwirft auch unſer Bekenntniß ausdrücklich dieſen Satz: „Wenn ge⸗ lehrt wird, daß die Worte des Teſtaments Chriſti nicht einfältig verſtanden und geglaubt werden ſollen, wie ſie lauten, ſondern daß es dunkele Reden ſeien, deren Verſtand man erſt an andern Orten ſuchen müſſe.“ (Müller, S. 542.) Die sedes doctrinae für die Lehre vom Abendmahl nun ſind vor allen die Worte der Einſetzung dieſes Sacraments und ſodann einige Stel⸗ len, die mit klaren und deutlichen Worten von dieſer Stiftung Chriſti han⸗ deln. Das iſt nöthig, daß man dieſe Stellen zuerſt anſieht und aus ihnen die Lehre vom Sacrament ſchöpft. Das iſt mit ein Grundfehler der Geg⸗ ner, daß ſie das nicht thun. Chemnitz ſchreibt mit Recht: „Wie alle Lehren der Kirche und die einzelnen Glaubensartikel in einigen gewiſſen Stellen der Schrift gleichſam ihren eigentlichen Sitz haben, da ſie ex pro- fesso behandelt und erklärt werden, ſo daß ihr eigentlicher und genauer Sinn mit Recht in dieſen Stellen geſucht und aus ihnen entwickelt wird, ſo ſteht es ohne allen Streit feſt, daß die rechte Lehre vom Abendmahl des HErrn ihre beſondere Stelle und ihren eigentlichen Sitz habe in den Worten der Einſetzung. Wer weiß das aber nicht? ſo ſagſt du, und welcher ver⸗ nünftige Menſch ſollte das leugnen? Ich antworte: Mit Worten bekennen das alle und geben es alle zu, aber wenn es zur That kommen ſoll, ſo ſtellt ſich die Sache ganz anders. Denn alle Sacramentirer, ſo viel ihrer ſind, nehmen das, was ſie vom Abendmahl des HErrn glauben und denken wollen,