# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S192 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 192 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. In der ersteren sind die jüngeren Kinder, gegenwärtig 32. Der andere Theil der Anstalt zu Zelienople ist eine für die älteren Knaben bestimmte Ackerbauschule, welche unter der Direction von Pastor G. Baßler steht. Der Hauptlehrer daselbst ist G. C. Holls, der, wie sein Bericht unverkennbar zeigt, mit einem wahrhaft väterlichen Herzen seine Zöglinge zum Herrn Christo zu führen und zu nützlichen Menschen zu bilden sucht. Diese belaufen sich jetzt auf 57. Der Nationalität nach sind die Zöglinge beider Theile der Anstalt Amerikaner, Deutsche, Schweden und Norweger. Die Sprachen, die alle lernen müssen und die im täglichen Verkehr, bei der Hausandacht und beim Unterricht gebraucht werden, sind englisch und deutsch. Das Hauptstreben ist Erziehung der Waisen im Glauben der Augsburgischen Confession und des kleinen Lutherischen Katechismus. Wer müßte nach allem diesem nicht bekennen, daß die Arbeit Passavant's und seiner Mitarbeiter ein Segen und eine Zierde für unsere Kirche ist? Es ist eine Erbauung und ein Trost, von einem solchen Werke zu hören, das so in Wahrheit eine echte Frucht der aus dem Glauben fließenden Liebe ist. Doch — gehet hin und thuet desgleichen! Denn der HErr hat gesagt: „Wer eins von diesen Kleinen aufnimmt um meinet willen, der nimmt mich auf!“ — S. Statistik der Methodisten. — Nach den Mittheilungen auf der Methodisten⸗Versammlung, welche neulich zu Buffalo stattgefunden hat, findet sich die größte Zahl der Glieder dieser Gemeinschaft in America, nämlich 1,995,634, mit Einschluß von 13,209 Reisepredigern. Die Zahl der deutschen Methodisten im hiesigen Lande beläuft sich auf 16,223 mit 239 Predigern. In Europa gibt es 736,352 Methodisten, in Asien nur einige hundert, in Africa ungefähr 17,000, in Australien 33,000. Im Ganzen zählt die Methodistengemeinschaft 2,742,195 Communicanten, und wenn man auf jeden derselben ungefähr 3 andere Glieder dieser Secte rechnet, so würde es etwa 11 Millionen Methodisten auf der Erde geben. — S. Freche Verläumdung der Lutheraner von Seiten Reformirter. — Die Reformirte Kirchenzeitung von Chambersburg macht ihren Lesern aus Ebrard's Prakt. Theologie folgende Mittheilung: „Ein echter Gnesiolutheraner kann wohl mit einem Hurer und Ehebrecher zum Tische des HErrn gehen, aber nicht mit einem Unirten oder Reformirten. Eine Kirchenzucht, die den ersteren ausschlösse, würde er als eine „calvinische“ ebenso perhorresciren, als eine Conföderation, die den letzteren zuließe.“ II. Ausland. Schweden ist in der letzten Zeit weit und breit bekannt worden wegen des da herrschenden sehr strengen Religionszwanges. Zwar hat der im vorigen Jahre verstorbene König Oscar diesen zu erleichtern gesucht, aber es ist ihm nicht gelungen; denn der Adel und die Priester haben auf dem aus vier Ständen bestehenden Reichstag, wo sie zwei Stimmen haben, alle solche Vorschläge niedergestimmt. Neulich ist nun, so berichtet „Kirkl. Maandslidende“, die Taufe zwangsweise an drei Kindern in Norrland (d. i. dem nördlichsten Theil des Landes) verrichtet worden. Einer von den Eltern setzte sich zur Gegenwehr, wurde aber übermannt. Der andere begab sich in die Kirche und kam mit dem Prediger in Wortwechsel, wodurch ein Auflauf veranlaßt wurde. Diese Begebenheit hat Aufsehen sowohl innerhalb als außerhalb des Landes erregt. L. L. Ueber die argen Früchte des faulen Baumes der modernen Theologie spricht sich ein Correspondent der Ev. K.-Z. unter der Ueberschrift „Baden“ also aus: „Niemand meine, nur der alte vulgäre Rationalismus habe auf das seelische und kirchliche Leben also schädlich eingewirkt. Es erscheint uns vielmehr neumodische Vermittelungstheologie zwischen dem alten und neuen Adam noch seelengefährlicher, weil ihr Betrug feiner ist. Der moderne Positivismus, welcher Vernunft und Offenbarung zusammenzuschweißen versteht, besticht und blendet die Herzen gar leicht, hält sie ab von einem entschiedenen Kampfe wider die verderbte blinde Natur, von einem heilsbegierigen Ringen nach dem Licht der Gnade. Man treffe nur einmal zusammen mit jungen Theologen aus dieser neuen Schule und man wird staunen, wie butterglatt die Materien des Glaubens von ihren Lippen fließen und wie hoffährtig dabei ihre Rede einherfährt; man wird erschrecken über ein neues Geschlecht, das wenig oder nichts weiß von demüthigem, herzgründlichem Ernst, von wahrhaftiger Buße und Bekehrung, das keine terrores conscientiae kennt über Sünde, Tod und Teufel, sondern leichten Herzens und leichten Fußes, schnellfertig und redselig durch die enge Pforte hineinschlüpfen will in das Reich der Seligen. Das ist eine Religion für die Welt, ein Christenthum der Phrase, eine modernisirte Gläubigkeit, bei welcher der alte Adam und der altböse Feind leise oder laut soufflirt.“