# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S31 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gung) mitzutheilen; ſo es ein Böſes bedeutet, ab⸗ zuſchaffen.“ Herzog Friedrich, Kurfürſt, ſpricht: „Das thue der treue Gott; allein daß ich des Traumes nicht vergeſſen kann. Ich habe wohl auch bei mir meine Gedanken und Auslegung, aber die be⸗ halte ich noch zur Zeit bei mir allein. Doch will ich ſie aufzeichnen. Es wird vielleicht die Zeit hernach geben, ob ich's recht werde getroffen haben, und wir wollen uns dieſer Tage witr mit ein⸗ ander davon unterreden. Von dem Nutzen, welchen Ketzer der Kirche bringen. Hierüber ſchreibt Luther: Ob es wohl ſcheint, als thäten die Rottengei⸗ ſter der Kirche viel Schaden, ſo geben ſie doch nur Urſache, daß das Wort bei uns täglich rei⸗ ner und reicher erklärt wird; wie Auguſtinus ſagt im 8. Buche Confessionum: So man den Ketzern ihre Irrthümer widerlegt, ſo wird dadurch der Kirche Verſtand und die heilige Schrift nur mehr erklärt. Denn wo wir nicht alſo erweckt und ge⸗ drungen würden, unſere Schätze zu beſichtigen und zu üben, würden wir faul und träge, und im Müßiggang verderben. Alſo was kann unſer ewiger Feind, der Satan, mit ſeinen emſigen Anfechtungen anders anrichten, denn daß wir das Wort fleißiger erforſchen, und daß wir lernen beten, vertrauen und hoffen? Man ſagt und iſt ein Sprüchwort: Der Hunger iſt ein guter Koch. Darum der Chriſten Trübſal ihrer und der Kirche, Heil und Wohlfahrt ſind; Creuz und Unterdrü⸗ ckung eine Erhöhung und ein Triumph der Kirche ſind. Darum, es thun die Feinde der Kirche was ſie wollen, ſo iſt es gewiß, je mehr wir un⸗ terdrückt werden, je mehr wir uns aufrichten; denn Chriſtus iſt unſer Herzog und unſer Haupt, der wahrlich keinem Uebel weicht; denn er hat eine unausſprechliche Macht, damit er die Nieder⸗ geworfenen aufrichtet, die Todten lebendig und die Unterdrückten ſiegend und obliegend macht. Denn dieweil er Gott iſt, ſo iſt dies ſein eigent⸗ lich Amt, daß er aus Nichts alles mache, und aus dem, das da iſt, Nichts mache. (Siehe Aus⸗ legung des Pſ. 122, 3.) Derſelbe ſchreibt anderwärts: Niemand ſoll ſich wundern, noch ſich entſetzen, ob er Rottengeiſter und Ketzer unter den Chriſten ſieht aufkommen und ſo greulich poltern wider die Wahrheit. Es muß uns doch alles zu gut kommen und nicht einerlei Nutz ſchaffen. Erſtlich, daß wir dadurch geübt werden, das Wort Gottes deſto fleißiger zu handeln und zu halten, und da⸗ mit je länger je gewiſſer der Wahrheit werden. Denn wo ſolche Rotten nicht wären, dadurch uns der Teufel ſo aufgeweckt, würden wir zu faul, ſchliefen und ſchnarchten uns zu Tode, würden auch beide, Glauben und Wort, bei uns ver⸗ dunkeln und verroſten, bis es gar alles verdürbe. Aber nun ſind ſolche Rotten unſer Schleifſtein und Polirer, die wetzen und ſchleifen unſern Glau⸗ ben und Lehre, daß ſie glatt und rein wie ein Spiegel glänzen, lernen auch darüber den Teufel und ſeine Gedanken kennen, und werden rüſtig und geſchickt, gegen ihn zu ſtreiten; welches alles nachbliebe, wo wir Ruhe hätten vor den Rotten. Zum andern, ſo wird auch das Wort ſelbſt da⸗ durch deſto baß und heller an Tag bracht vor der Welt, daß viel die Wahrheit durch ſolchen Krieg erfahren, oder je drinnen geſtärkt werden, die ſonſt nicht dazu kämen; denn es iſt ein ſchäftig Ding um das Wort Gottes, darum gibt ihm Gott auch zu ſchaffen, hänget und hetzet daran beide Teufel und die Welt, auf daß ſeine Macht 31 und Tugend offenbar und Lügen zu Schanden werde. Ob nun etliche dadurch verführt werden, iſt auch recht, und geſchickt zur Strafe und Rache über die Gottloſen, die ſtolzen Verächter und un⸗ dankbaren Menſchen, die unſere Lehre verfolgen, läſtern oder verachten. Denn was frommer, ein⸗ fältiger Herzen daneben verführt werden, da iſt Hoffnung, daß ſie wieder zurecht kommen mögen. Die Stolzen aber und Klüglinge ſollen drinnen verſtockt und ihrer Undankbarkeit und eigener hof⸗ färtigen 58 5 Lohn alſo in ſich ſelbſt empfahen. (Siehe L. W. Hall. XIV, 277. ff.) Der Biſchof Martin. (Eine Kinderlegende.) Tauſend vier hundert drei und achtzig Jahr, Als unſer Heiland geboren war, Da in der Chriſtenheit man zählt, Kam Doctor Martin auf die Welt; Herr Martin Luther hoch gelahrt, Desgleichen nie erfunden ward! Zu Eisleben, wo Bergleut' ſchön In tiefen Schacht hinunter gehn, Und fördern edles Erz zu Tag, Mit ihrem fleiß'gen Hammerſchlag, Hat Gott es weislich ſo geſchickt, Daß er das Licht der Welt erblickt. Zur Mutter hat ihm Gott beſcheert Frau Margarethen, ehrenwerth; Sein Vater aber Herr Johann, Ein ehrlich, alt und fromb Bergmann, Der ihn gar ſtreng, nach Brauch der Alten, Zu Kirch und Schulen angehalten. Den Namen Martin, den er trägt, Hat ihm ein Heil'ger beigelegt, Weil grad auf den St. Martinstag Das Kindlein in dem Taufſtein lag. Nun fragt ihr: wer St. Martin war? Die Mähr iſt alt und wunderbar: Ein fromb und ehrbar Reitersmann, Dazu ein Biſchof; höret an! Als Julian im Abendland Dem Reich des HErrn noch widerſtand, Einem Reiter aus Pannonia, Mit Namen Martin, dies geſchah. Er kam in Sturm und Schnee einſt mitten Zu einem Ort hineingeritten. Da fleht alsbald ein armer Mann Um eine kleine Gab' ihn an. Der Mann war elend, nackt und bloß; Der Wind ging auf die Haut ihm bloß: Herr Martin hätt ihm für ſein Leben Gern Koller, Rock und Wams gegeben. Allein ihr wißt wohl, ein Soldat Sehr wenig zu verſchenken hat. Doch hielt er an auf hohem Roß, Worauf der Regen niederfloß, Und ſprach: „Der mann iſt nackt und bloß; Es muß ja grad' auch Geld nicht ſein, Ich will ihm dennoch was verleihn.“ Sein Schwert drauf mit der Fauſt gefaßt, Haut er von ſeinem Mantel faſt Des einen Zipfels Hälft' herab, Die er dem armen Manne gab. Der Arme nimmt das Stück ſogleich, Und wünſcht dafür das Himmelreich Dem guten, frommen Reitersmann, Der ſich nicht lang' darauf beſann. Wie der geſagt ſein gratias, So reitet dieſer auch fürbaß Zu einer armen Wittwe Thür, Und legt daſelbſt ſich ins Quartier, Nimmt Speiſ' und Trank ein wenig ein; Es wird nicht viel geweſen ſein. Nachdem er alſo trunken, geſſen, Und das Gebet auch nicht vergeſſen, Legt er ſich nieder auf die Streu': Obs eins geweſen, oder zwei, Das hat die Chronik nicht gemeld't; Drum laſſ' ichs auch dahin geſtellt. Alsbald begiebt ſichs in der Nacht, Daß er von einem Glanz erwacht, Das zwingt das Aug ihn aufzuſchließen. Da ſteht ein Mann zu ſeinen Füßen; Sein Haupt trägt eine Dornenkron': Er iſts! Er iſts! der Menſchenſohn! Mit tauſend Engeln, die ihm dienen, Iſt plötzlich unſer HErr erſchienen In aller ſeiner Herrlichkeit; Und mit dem Mantel, welchen heut' Der Martin aus Pannonia, Der deſſen gar ſich nicht verſah, Geſchenkt dem armen Bettelmann, Iſt unſer Heiland angethan. Und ſo der HErr zu Petrus ſpricht: „Siehſt du den neuen Mantel nicht, Den ich hier auf den Schultern trage?“ Auf des Apoſtels weitre Frage: Wer ihm den Mantel denn geſchenkt? Das Aug' auf Martin hingeſenkt, Mit einem ſanften Himmelston Fährt alſo fort der Menſchenſohn: „Der Martin hier, der iſt es eben, Der dieſen Mantel mir gegeben. Ermuntre dich, ſteh auf, mein Knecht, Den ich erwählt, du biſt gerecht! Du warſt bisher ein blinder Heide. Das Schwert, das ſteck' nur in die Scheide! Ein Streiter Gottes ſoll auf Erden Mein frommer Biſchof Martin werden.“ Als dieſes Wort der HErr geſagt, So kräht der Hahn, der Morgen tagt; Ein Engel küßt des Mantels Saum, Und Martin iſt erwacht vom Traum; Denkt nach, klopft an ein Kloſter an Und iſt, getreu nach Chriſti Worten, Aus einem wilden Reitersmann Ein großer, frommer Biſchof worden. Nun, da ich dieſes euch vermeld't, Was für ein frommer Liebesheld Der Taufe Luthern mußt entheben Und ihm den Namen Martin geben; So nimmt Euch, hoff ich, auch jetzunder Des Dr. Martins Thun nicht Wunder, Der beides lernte, muthig reiten, Und für die Kirche tapfer ſtreiten, Von jenem heilgen Reitersmann, Der's in der Tauf ihm angethan Zugleich mit ſeinem frommen Namen, Daß er in Liebe mußt entflammen: So, daß der Luther, gut und groß, Ein Stück von ſeinem Rock nicht bloß Und ſeines Regenmantels Schooß, Nein, auch mit Freuden Leib und Leben Für ſeine Brüder hinzugeben, Zu jeder Stunde war bereit. Wie ſolcher edlen Freudigkeit Stadt Worms ein ew'ger Zeug' uns iſt. Gelobt dafür ſei IEſus Chriſt! Milwaukee. — So eben erfahren wir, daß Paſtor Keyl mit ſeiner Familie am 7. dieſes Monats glücklich in Milwaukee, Wis. Terr., an⸗ gekommen iſt und ſein Amt an der dortigen lu⸗ theriſchen Gemeinde am 19. Sonntag nach Tri⸗ nitatis angetreten hat. Seine nunmehrige Adreſſe iſt daher: Rev. G. W. Keyl, Milwaukee, Wis. Terr. ——— * Nachdem die auf der letzten Seite befind⸗ liche, an die „Katholiſche Kirchenzeitung“ und den „Lutheriſchen Kirchenboten“ gerichtete Mah⸗ nung bereits unter der Preſſe war, haben wir endlich von beiden Blättern wieder eine Nummer erhalten. Wir können uns nur freuen, daß die Hrn. Herausgeber deſſen ſelbſt eindenken geworden ſind, woran wir ſie erinnern zu müſſen glaubten.