# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S186 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 186 Zur Begründung einer neuen Physiko-Theologie. würdig? Wenn irgend eine Wahrheit in dem Glauben liegt, daß der Mensch nach dem Ebenbilde Gottes gemacht ist, so ist es gewiß kein Fehler eines Forschers, mit Hülfe seiner eigenen geistigen Operationen zu versuchen, sich den Werken des göttlichen Verstandes anzunähern, aus der Natur seiner eigenen Seele die Erkenntniß zu schöpfen, um besser die unendliche Intelligenz zu begreifen, von welcher er selbst seinen Ursprung hat. Eine solche Ansicht könnte vielleicht auf den ersten Blick unehrerbietig erscheinen. Aber wer ist der wahre Demüthige? Derjenige, welcher, indem er in die Geheimnisse der Schöpfung eindringt, dieselben in eine Formel bringt, welche er stolz „sein eigenes wissenschaftliches System“ nennt, oder derjenige, welcher bei derselben Forschung seine glorreiche Verwandtschaft mit dem Schöpfer erkennt und, in tiefster Dankbarkeit für eine so hohe Abstammung, darnach strebt, der gläubige Ausleger des göttlichen Verstandes zu werden, mit dem auf diese Weise in Verbindung zu treten, ihm nach den Gesetzen des Daseins nicht nur erlaubt, sondern im Voraus bestimmt ist. Ich bekenne, daß diese Frage, die sich auf die Natur und Begründung unserer wissenschaftlichen Classification bezieht, mir von der größten Wichtigkeit zu sein scheint, ja von einer weit mächtigeren Bedeutung, als man ihr gewöhnlich beilegt. Wenn es bewiesen werden kann, daß der Mensch diese systematische Anordnung in der Natur nicht erfunden, sondern vielmehr nur erforscht hat, daß diese Verwandtschaften und Verhältnisse, welche durch die animalische und vegetabilische Welt vorkommen, in einer geistigen, in einer idealen Verbindung stehen mit dem Geiste des Schöpfers; daß dieser Schöpfungsplan, welcher sich unserem höchsten Wissen enthüllt, nicht das Produkt nothwendiger Wirkungen von physischen Kräften ist, sondern als die freie Conception eines allmächtigen Verstandes erscheint, welche in dessen Gedanken gereift ist, bevor sich dieselbe in greifbaren äußeren Formen offenbarte, kurz: wenn wir eine dem Schöpfungsacte vorhergegangene Ueberlegung nachweisen können, dann haben wir einmal und für immer mit der trostlosen Theorie gebrochen, welche uns stets nur auf die Gesetze der Materie verweist, als welche von allen Wundern der Schöpfung Rechenschaft geben sollen, und die uns, ohne Gott, bloß der einförmigen, unveränderlichen Wirkung der physischen Kräfte überläßt, welche alle Dinge an deren unvermeidliches Verhängniß binden. Ich glaube, daß jetzt unsere Wissenschaft den Grad von Vollendung erreicht hat, mittelst welcher wir eine solche Untersuchung wagen können.“ Diese edlen und anziehenden Betrachtungen stellt der berühmte Verfasser des obigen Werkes, welcher seit einer Reihe von Jahren seinen Europäischen Wohnsitz in Neuschatel mit dem auf der Harvard University zu Cambridge bei Boston in Massachusets vertauscht hat, an die Spitze seiner Untersuchungen und bezeichnet damit, wie wir glauben, eine neue Epoche wissenschaftlicher Betrachtung der organischen Natur, tritt als Verfechter einer neuen Physiko⸗Theologie auf, in einer Sprache, welche an die Kepler's, Newton's und Linné's erinnert. Diese ist, wie oben bemerkt, bei uns gänzlich verschwunden. Nachdem