# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S185 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Begründung einer neuen Physiko-Theologie. 185 scheiden sich untereinander nur durch den größeren oder geringeren Grad von Consequenz oder vielmehr richtiger von Inconsequenz, mit welcher sie ihre naturwissenschaftlichen Anschauungen in das Leben übertragen. Es ist dies nicht zu viel gesagt; wenn auch ein beträchtlicher Theil Deutscher Naturforscher nicht die Frivolität C. Vogt's, des Propheten des incarnirten frivolen Materialismus, theilt, so sympathisiren und kokettiren doch viel mehr Naturforscher mit demselben heimlich oder öffentlich, als man gewöhnlich glaubt. Glücklicher Weise aber ist das praktische Leben selbst, sind die inneren Gemüthserfahrungen ein Correktiv für theoretische Anschauungen, welche, sich selbst überlassen, noch viel verderblicher und zerstörender auf alle socialen Verhältnisse, auf Staat und Kirche, wirken müßten, als sie dies leider schon gethan haben. Der Glaube an eine Offenbarung hat seinen größten Feind in der von allem Zusammenhang mit dem göttlichen Schöpfer gelösten Naturbetrachtung. Der rationalistische Theismus ließ hier doch noch eine Brücke bestehen, wenn er sie selbst auch nicht betrat. Der Materialismus löst das letzte Band, er löscht das letzte Licht aus, das noch als spärliche Leuchte zum Wiederfinden des verlorenen Weges dienen kann. Während fast die gesammte Deutsche naturwissenschaftliche Literatur, insbesondere die populäre, welche den Büchermarkt auf eine Weise überschwemmt hat, wie es kaum möglich erschien, entblößt erscheint von jeder höheren Betrachtung oder einen göttlichen Ursprung der Natur geradezu geleugnet, finden wir in einem der umfassendsten und großartigsten Werke, das je über Naturgeschichte erschien, in Agassiz's Contributions to the natural history of the united states folgende einleitende Worte zu dem ersten, sehr wichtigen systematischen Theile, welcher die interessantesten Probleme der organischen Naturlehre, zunächst der thierischen Organisation, behandelt. Es heißt hier: „Die Eintheilung des Thierreichs nach Zweigen, Klassen, Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten, wodurch wir die Resultate unsrer Untersuchungen in Bezug auf die Verwandtschaftsverhältnisse des Thierreichs ausdrücken und welche die erste Frage eines wissenschaftlichen Natursystems ausmachen, scheint mir die Beachtung aller gedankenvollen Gemüther zu verdienen. Sind diese Eintheilungen künstlich oder natürlich? Sind sie bloße Erfindungen des menschlichen Verstandes zur besseren Uebersicht und zur Erleichterung anderer Untersuchungen, oder sind sie in der göttlichen Intelligenz begründet und als Categorieen von deren Art zu denken, zu betrachten.... Meiner Meinung zufolge sind diejenigen Systeme, welche von den großen Chorführern in unsrer Wissenschaft aufgestellt wurden, in der That nur Uebersetzungen der Gedanken des Schöpfers in die menschliche Sprache. Und, ist dies der Fall, finden wir nicht in dieser Fähigkeit des menschlichen Verstandes sich die Thatsachen der Schöpfung anzueignen, wodurch wir instinktiv und unbewußt die Ausleger der Gedanken Gottes werden, die überzeugendsten Beweise unserer Verwandtschaft mit dem Geiste Gottes? Ist nicht diese intellektuelle Verbindung mit dem allmächtigen Schöpfer unserer tiefsten Ueberlegung