# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 182 Wieder etwas von der Kirche Norwegens. Es zeigt sich darin, daß er in seiner Lehre von der Taufe immer mehr und mehr abirrt, und auch sein Bekenntniß vom heiligen Abendmahl würde einem Unirten oder gar Reformirten ganz annehmbar sein. Uebrigens kommt er jetzt dadurch in große Noth, daß mehrere seiner Leute die ganz richtige Consequenz ziehen: wenn die Kindertaufe nichts taugt, und wir nur als Kinder getauft worden sind, so müssen wir jetzt wieder, oder vielmehr erst recht getauft werden. Diese weist er jedoch mit der kategorischen Erklärung ab: daß ihre Meinung, „offenbar zu ärgern und gefährlichern Irrthümern führe, als die Kindertaufe selbst,“ und „daß die Forderung: die Wiedertaufe sei nothwendig für alle diejenigen, welche als Kinder getauft sind, einen noch größern Mißbrauch, ein noch ärgeres Formenwesen erzeugen und sich als eine noch verderblichere Anmaßung im Reiche Gottes erweisen werde, als die Säuglingstaufe selbst.“ Für diese krasse Behauptung führt er freilich Gründe nicht an; aber das ist überhaupt nicht seine Sache, es wird ihm immer „mehr klar“, das ist genug. Er hat sich doch von Anfang her durch Schelten auf die vielen Gottlosen in der Staatskirche emporgehoben, er konnte nur dadurch seine große Heiligkeit bewähren, daß er diese gottlose Gemeinschaft verließ; jetzt sind schon einige seiner Anhänger Quäker geworden, andere wollen Wiedertäufer werden; kein Wunder, daß er seine Strafpredigt wieder in eine andere Richtung zu richten hat. Wenn also einer von der „Freikirche“ in Norwegen reden hört, so hüte er sich wohl anzunehmen, daß dieselbe etwas der schottischen ähnliches sei; die „freie apostolisch⸗christliche“ Kirche ist von dem reinen Worte Gottes und dem lautern Bekenntnisse abgefallen, sie ist eine schwärmerische Rotte, deren Streben auf einen äußerlichen Schein des christlichen Lebens ausgeht, und deren schwankender Glaube und unsicheres Bekenntniß hauptsächlich auf den launenhaften Meinungen eines einzelnen Mannes beruht. Von andern Sekten sind in jenem Aufsatz im IV. Jahrgang S. 270 schon die Quäker erwähnt; diese machen keine großen Fortschritte, sie fischen meistens nur die Ultras der übrigen Parteien auf; in dem an allen Sekten reichen Tromsö zählten sie nach dem letzten Bericht 20, aber selbst diese kleine Anzahl hatte sich in zwei Parteien getheilt, Hochquäker und gemeine Quäker, von denen die ersten, die eigentlich die echten sind, jede mittelbare Mittheilung des Geistes leugnen. — Größern Lärm haben die amerikanischen Methodisten im südöstlichen Theile des Landes gemacht, und haben in Sarysborg sogar eine Kirche gebaut; in der letzten Zeit hört man aber auch von diesen nicht viel. — Dagegen haben die Mormonen, die der theologischen Fakultät und der Mehrheit der Landesbischöfe zum Trotz von dem höchsten Gericht für eine christliche Sekte erklärt worden sind, ziemlich viele Seelen verführt, besonders unter der Hefe der Hauptstadt und ihrer Umgegend. Nach einem Berichte ihres Vorstehers betrug ihre Anzahl am 30. Juni 1859 in ganz Norwegen 515, wovon 52 Aelteste, 27 Priester, 32 Lehrer und 11 Diakonen; in Christiania und dem angrenzenden Kirchspiele waren 187. II. Ein fröhlicheres Bild geben uns die letzten Berichte von der norwegischen Heidenmission. Diese geht von einer Privatgesellschaft aus,