# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S177 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Correspondenz aus Deutschland. 177 ja, ich sehe jetzt in Ihrem Synodalverband den heut zu Tag einzigen größeren Kirchenkörper, der die Lehre von Kirche, Amt und Kirchenregiment rein und lauter nach lutherischem Bekenntniß hat und practisch consequent durchführt. Ich weiß mich nun Ihnen ganz verbunden und vereinigt, während ich unsre deutsche lutherische Kirche hier zerspalten, zerrissen und umgetrieben sehe von dem manchfachsten Sauerteige falscher Lehre, nicht nur im Allgemeinen, sondern auch besonders der falschen staatskirchlichen Begriffe von Kirche und Kirchenregiment, die doch im tiefsten Grund dem Wesen der Kirche und der alleinigen Autorität des Wortes Gottes auf kirchlichem Gebiet zuwider sind und als ein Hauptschaden am heutigen kirchlichen Leben ohne Zweifel erkannt werden müssen. Wie herzlich freue ich mich, in diesen so wichtigen Lebensfragen für die Kirche heutiger Zeit zur Klarheit gekommen zu sein, wie danke ich, nächst dem HErrn, auch Ihnen, meine liebsten Brüder, daß Sie in so großer brüderlicher Treue sich meiner angenommen, meiner Irrthümer nicht geschont und so ausführliches Zeugniß der Wahrheit mir zu geben, mich nicht unwerth geachtet haben. Nach diesem meinem hier abgelegten Bekenntniß erledigen sich von selbst alle einzelnen bisherigen Differenzen unter uns, indem höchstens von ganz untergeordneten practischen, exegetischen oder homiletischen Fehlgriffen, wie sie ja immer und überall vorkommen, etwa die Rede sein könnte, über die ich aber wahrlich über das große Weltmeer hinüber mit Ihnen zu streiten weder Lust, noch Beruf und Fähigkeit habe. Meine innige Lust und Freude ist jetzt vielmehr die, Sie meiner vollen Einigkeit mit Ihnen und dem reinen Bekenntniß unsrer Kirche zu versichern. In diese Freude mischt sich freilich auch der ebenso große Schmerz über die jammervolle Zerrissenheit der Kirche in Deutschland, die mit jedem Jahr immer drohender und offner zu Tag kommt. Sie haben wohl auch in Amerika erfahren, wie Löhe und sein Anhang in Bayern immer schroffer in seiner falschen Richtung, die jetzt besonders im Chiliasmus sich concentrirt, sich verschließt. Auf ein Zeugniß der Wahrheit, das ich gegen Löhe im vorigen Sommer unsrer früheren nahen Verbindung willen ablegen zu müssen glaubte und worin ich namentlich bat, doch nicht bloß meine geringe Stimme darin sehen zu wollen, sondern die der Kirche, Luthers und der Väter, hat Löhe bloß geantwortet: „er bedauere, daß ich den Weg lutherischer Menschenlehren betreten*) und mein Vertrauen auf Luther gesetzt habe; so verlaufe das Lutherthum in Missourischen Sand.“ Welchen tief betrübenden Seelenstand des einst uns so theuren Mannes decken diese *) So schrecklich dies ist, so ist es doch in so fern ehrlich, daß Löhe hier einmal frei heraussagt, wofür er die betreffenden Lehren Luthers und der Kirche hält. Räthselhaft bleibt nur, wie bei solcher Ansicht er und die Seinen noch den lutherischen Namen führen mögen. Was soll man nun aber vollends von den Grabauischen sagen, die, wenigstens in ihren Stimmführern, fort und fort unter dem trüglichen Vorgeben, missourische Irrthümer zu bekämpfen, ausgesprochene Lehren Luthers und der Kirche anfechten, und doch nicht den Muth haben, jene Lehren Luthers und der Kirche für Menschenlehren, für falsch und irrig zu erklären, geschweige, daß sie so ehrlich wären, auf den lutherischen Namen zu verzichten? D. Eins.