# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S176 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 176 Correspondenz aus Deutschland. So folge denn die Antwort in getreuer Abschrift und nur mit Hinweglassung dessen, was des allgemeineren Interesses entbehren dürfte. Der evangelisch⸗lutherischen Prediger⸗Conferenz in Fort Wayne, meinen theuern Brüdern in Christo, Gnade und Friede! Wenn ich abermals habe Monate hingehen lassen, ehe ich Ihr brüderliches Schreiben vom August v. J. beantworte, so nehmen Sie dieses als ein Zeichen des hohen Ernstes, mit dem ich Ihr Schreiben aufgenommen und der tiefgreifenden Bedeutung, die es für mich durch Gottes Gnade, gleich Ihrem früheren, gehabt hat. Es galt mir nicht einen oberflächlichen Streit über theologische Tagesfragen, sondern es handelte sich bei mir um einen Lebenskampf, um eine mein innerstes Leben berührende Entwicklung meines ganzen kirchlichen Bewußtseins. Ich konnte Ihnen nicht eher schreiben, bis dieser Kampf in mir selbst zum vollen Abschluß gelangt war. Und Gottlob, er ist es! Das darf ich nun bekennen zum Ruhm und Preis der göttlichen Barmherzigkeit, die mich, zum Theil auf so wunderbarem Wege von dem fernen Amerika her, zur Klarheit in den Lehrstücken gebracht hat, die heut zu Tag die Quelle so unsäglicher kirchlicher Verwirrung sind. Wie in den Lehren von Kirche und Amt, so ist mir nun auch über die so nah damit zusammenhängende Frage vom Kirchenregiment die rechte Erkenntniß aufgegangen. Freilich hatten Sie Recht, meine theuern Brüder, wenn Sie in meinen früheren Klagen wider Ihre kirchliche Verfassung die alleinige Ursache in meiner noch unrichtigen Vorstellung von Kirchenregiment sahen. Ich bekenne es nun selbst, daß durch die Gewöhnung an staatskirchliche Formen, die uns von Kindauf anklebt, ich an einer Uebertragung der Begriffe von weltlicher Obrigkeit auf kirchliches Gebiet krankte, allerdings fast unbewußt, da ich nie von dogmatischem Gesichtspunct aus die Sache näher untersucht hatte. Es mußte für mich eben die von Gott hierzu gefügte Stunde erst kommen, wie nun geschehen ist. Schon einige Zeit vor Eintreffen Ihres Schreibens im vorigen Sommer bekam ich die erste Anregung durch Past. Dietrichs Schriftchen vom Werth und Wesen des Kirchenregiments, das mir trotz Dietrichs sonstiger Mängel in der Lehre von Kirche und Amt, doch den Hauptdienst leistete, mir meine „blinden, tollen und thörichten“ Ideen von „Obrigkeit, die mit göttlicher Autorität auf kirchlichem Gebiet zu regieren hat,“ gehörig unter die Nase zu reiben. Darauf kam Ihr Schreiben, dann begann die ganze Frage unter uns nächst verbundenen Pastoren hier in Kampf zu kommen, und durch Gottes Gnade bin ich für mein Theil nun klar und fest auch in diesem Lehrstück, wenn ich auch noch nicht von Allen in dem nächsten Kreis meiner Amtsbrüder dieses sagen kann. — Mit Dank gegen Gott und mit inniger Beugung und Rührung Ihnen gegenüber, die ich früher des Irrthums beschuldigt habe, lege ich nun das Bekenntniß ab, daß ich ganz und gar geirrt, ich nehme alle meine Anklagen und Bedenklichkeiten zurück, die ich gegen Sie geäußert habe, ich bekenne mich von Herzen nunmehr zu der von Ihnen behaupteten Lehre wie von Kirche und Amt, so von Kirchenregiment