# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S175 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Correspondenz aus Deutschland. 175 steht, für so haltlos befunden haben, und darum Alles um desto mehr auf seine Persönlichkeit gestellt ist, so ist die Gefahr um so dringender. Aber eben darum können wir auch den Schmerz nicht unterdrücken, daß ein Mann, dem Gott wie Wenigen die Gabe verliehen hat, Vorgänger und Führer Andrer auf dem Wege zum Leben zu sein, sich darin gefällt, lieber neue und abschüssige Pfade zu wählen, statt der gebahnten und bewährten. Wenn von den Seelen, die an ihn sich ketten, die eine oder die andere jetzt oder nachmals zu Falle kommt, weß wird die Verantwortung sein? (Eingesandt.) Correspondenz aus Deutschland. Im vorigen Jahrgang von „Lehre und Wehre“ (s. Juli⸗ und Octoberheft) haben wir, ihrer allgemeinen Bedeutung wegen, die Fortsetzung einer Correspondenz zwischen einem theueren uns befreundeten Gliede der lutherischen Kirche Deutschlands und uns, den Gliedern der hiesigen Fort⸗Wayner Districts⸗Conferenz, veröffentlicht. Seitdem ist uns auf unser letztes Schreiben vom August v. J. eine gar freundliche und zugleich höchst erfreuliche Antwort des lieben Bruders zu Handen gekommen, und schon die Gerechtigkeit erfordert, auch diese der Oeffentlichkeit zu übergeben. Wir thun dies aber mit um so größerer Freude und um so brünstigerem Dank gegen Gott, als darinnen der theuere Bruder selbst mit freudigem Dank bekennt, daß nach ernstem inneren Kampf und sorgfältiger Erwägung alle seine Bedenken, wie früher gegen unsere Lehre von Kirche und Amt, so jetzt auch gegen unsere Praxis in Verfassung und Kirchenregiment geschwunden sind, und er sich in allen Stücken völlig mit uns eins weiß. Das ist in unseren Tagen starren Festhaltens subjectiver Meinungen und ungescheuten Abweichens von dem reinen Bekenntniß unsrer Kirche bei stetem, oft so frechem Behaupten des lutherischen Namens gewiß ein sehr erfreuliches und wenn auch seltnes, so doch nicht minder tröstliches Ereigniß. Es gibt den thatsächlichen Beweis, daß es selbst in einer Zeit kläglicher Verwirrung, wie es die unsrige leider unbestrittnermaßen ist, doch nur einer aufrichtigen Liebe zur Wahrheit und eingehender Prüfung und Erforschung unseres theueren, durchaus schriftgemäßen Bekenntnisses bedarf, um durch Gottes Gnade auch mitten unter schwierigen Verhältnissen mit sicherer Bestimmtheit auszufinden, was in diesem oder jenem in Frage gezogenen Stück die rechte Lehre und Praxis unsrer Kirche sei. Zudem ist auch diese Antwort des theueren Mannes, gleich seiner früheren, in einer so herzgewinnenden Weise geschrieben, daß schon um deßwillen ihre Mittheilung seinen vielen Freunden unter uns sonder Zweifel höchst willkommen ist. Und überdies enthält sie so manches Wichtige aus der Zeitgeschichte der lutherischen Kirche Deutschlands, daß sie gewiß von jedem mit Interesse gelesen werden wird, der an dem Wohl und Wehe der lutherischen Kirche unseres alten Vaterlandes einen lebendigen Antheil nimmt.