# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S174 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 174 Aus der kirchlichen Gegenwart. ruhen. Und es möchte uns allerdings gelüsten, den Schluß des Makarius und Löhe's umzuwerfen, wenn er nicht an sich schon gar zu hinfällig wäre. Also das Kreuz Christi mußte ein Wunder wirken, weil es dem Herrn gefallen hat, durch Elisa's Gebeine einmal einen Todten zu erwecken und durch Petri Schatten und Pauli Schweißtüchlein und Koller Kranke zu heilen? Vielleicht darf man dann auch fortfahren und sagen: haben Elisa's Gebeine dies gethan und Pauli Koller, warum nicht die Reliquien der Apostel, der Heiligen überhaupt? Es dürfte aber, meinen wir, für ein schlichtes evangelisches Urtheil, abgesehen von dem Mangel historischer Beglaubigung, eine andere Schlußfolgerung näher liegen, diese nämlich, daß der Herr, dessen strafende Worte wider das wundersüchtige Volk wir kennen, die Verirrung der Kirche in diesem Stücke nicht werde durch ein Wunder seinerseits bekräftigt und gefördert haben. Wir können hiermit abschließen — nicht weil es uns an weiterem Stoffe gebräche, sondern weil der besprochene hinreicht, unser früheres Urtheil zu erweisen. Die letzte Heilige der „Rosenmonate“ ist die „Diakonissin Olympias“, die als Martyrin des Hirtenamtes im Schmerz über die Verbannung ihres Bischofs Chrysostomus starb und „wie ein Fingerzeig auf unsre Verhältnisse dasteht.“ Von ihr, die wegen ihrer Anhänglichkeit an Johannes Chrysostomus von den Feinden desselben zu den „Johanitern“ gezählt ward, „kann eine Jüngerin unsrer Tage lernen und an ihr sich's absehen, wie man sich nicht scheuen dürfe eine Johanniterin genannt zu werden, — wie man aber auch bei aller Weiblichkeit und Abhängigkeit doch mehr sein und werden könne, als eine blose Anhängerin von Hirten und Lehrern, nämlich eine Nachfolgerin des Lammes Gottes“ (S. 383). Bei diesem Schlusse des Buches haben wir nicht umhin gekonnt, an das Vorwort zurückzudenken, wornach die „Rosenmonate“ im Interesse des Diakonissenhauses in Neuendettelsau geschrieben und ganz dem weiblichen Geschlechte gewidmet sind (S. VII). Und wir stimmen jenem Urtheile Löhe's bei, — wenn nur die Hirten, nach deren Namen die Jüngerinnen sich nennen, sich's angelegen sein lassen, sie von allen Nebenpfaden menschlichen Beliebens hinweg zu dem Lamme zu führen. Wir sind gewiß, daß Löhe dies will, wir gehören auch nicht zu denen, welche fürchten, daß er auf dem Wege nach Rom sei.*) Löhe hat, wie wir oben sahen, bewiesen, daß er einzulenken versteht: er hat es nach der einen Seite hin schon gethan; wir dürfen hoffen, er werde es auch nach der andern Seite hin thun. Aber Eins wollen wir nicht bergen. Die Jünger überholen ihre Meister in Ziehung der Consequenzen auch gegen deren Willen. Und da wir das dogmatische Fundament, auf welchem Löhe jetzt *) Wenn ein Diener der lutherischen Kirche arglose evangelische „Jüngerinnen“ anreizt, theilzunehmen an der römisch⸗heidnischen Verehrung der bloßen „Kraft der Seele“ wo sie, in selbstsüchtiger, selbsterwählter vermeintlicher Vollkommenheit sich zeigt, und diese Reizung im bewußten Gegensatze gegen die durch die Reformation wieder neu gewonnene Erkenntniß des göttlichen Willens geschieht, so erscheint uns die Abwehr jener Befürchtung hier von wenig Belang. L. u. W.