# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S173 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus der kirchlichen Gegenwart. 173 den historischen Paulus unmögliche Seligpreisung der jungfräulichen Leiber ist? Oder ist es damit gethan, daß Löhe dies und Anderes, was ihm nicht convenirt, z. B. daß Thekla von Paulus den Befehl erhält, zu gehen und das Wort Gottes zu verkündigen, einfach wegläßt? Luther sagt irgendwo: „es ist eine eigene Plage vom Teufel gewesen, daß wir keine Legendam Sanctorum rein haben. Es sind die schändlichsten Lügen, und ist eine schwere Arbeit, die Legendas Sanctorum zu corrigiren.“ Gewiß, es ist ein schwerer Verlust für die Kirche, daß das Leben so vieler ihrer edelsten Zeugen unentwirrbar mit Fabeln verstrickt ist, und man mag dies eine Plage des Teufels oder auch ein Gericht Gottes nennen über die Wundersucht und den Mangel schlichten evangelischen Glaubens in der alten Kirche: aber mit Gewaltstreichen und willkürlicher Verkennung des Thatbestandes ist dem wahrlich nicht abgeholfen. Neben der Willkür der Ausscheidung aber steht die nicht geringere Willkür der Anerkennung des angeblich Echten und deren haltlose Begründung. Ists doch zuweilen, als sollte der mangelhafte historische Beweis durch die Selbstgewißheit des Glaubens ersetzt werden. Ohne einen Schatten des Zweifels erzählt Löhe die Geschichte von der Auffindung des Kreuzes Christi durch Helena, die Mutter des Konstantin (S. 166). Daß Eusebius in seinem Leben des Konstantin da, wo er des Breiten über die Wallfahrt der Helena nach den heiligen Stätten berichtet, von einer Auffindung des Kreuzes Christi nichts weiß und nichts erzählt, kümmert ihn nicht, ebenso wenig, daß der Reisebericht eines gallischen Pilgers aus dem Jahre 333 unter den Heiligthümern Jerusalems, die er aufzählt, das heilige Kreuz nicht nennt. Nicht einmal der Nachricht des Ambrosius folgt er, wornach das Kreuz des Herrn sich neben den Kreuzen der beiden Schächer durch die darauf gebliebene Inschrift des Pilatus als das echte auswies. Er schließt sich der spätesten Erzählung an, wornach die Ueberschrift von dem Kreuze des Herrn abgefallen war und letzteres erst durch ein Wunder identificirt werden mußte. „Bischof Makarius, dem an den Kreuzen mehr lag als manchem Jünger des 19. Säculums, kam auf den Gedanken, unter Gebet und Flehen die Kreuze als Heilmittel an einem Kranken zu erproben. Hatten die Gebeine des Propheten Elisa im Alten Testamente die Kraft, einen Todten zu erwecken, weil Gott es wollte, hatten Koller und Schweißtüchlein, ja der Schatten von Aposteln nach dem Neuen Testamente durch Gott die Kraft, Kranke gesund zu machen: warum nicht das Kreuz, an welchem unser ewiges Heil vollbracht ist? Ein Schluß, den man umzuwerfen versuchen mag.“ So Löhe (S. 167), und er erzählt dann, wie eine sterbende Matrone bei der Berührung mit dem dritten Kreuze, welches mithin das Christi war, lebendig wurde. Wir lassen uns durch den Seitenblick auf den „Jünger des 19. Säculums, dem soviel nicht an den Kreuzen gelegen“, nicht irre machen. Es ist uns allerdings an den Kreuzen weniger gelegen als daran, daß das Wort vom Kreuz und „die gesunde Lehre“ (Tit. 2, 8) nicht verkümmert werde durch Menschenfündlein, die nicht einmal auf menschlich gewissem, geschweige auf göttlichem Grunde