# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S172 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 172 Aus der kirchlichen Gegenwart. Jungfrauen und von Theodot, der ihre Leiber geraubt und dann, unbeweglich wie ein Fels im Meer, unsägliche Martern bis in den Tod erlitten habe. Sie berichteten ihm auch das Wunder mit seinem Leichnam und wie sie um der Christen Willen beauftragt seien, diesen zu bewachen. Da merkte Fronto, daß es der heilige Theodot selbst sei, dankte Gott und bat ihn um Beistand zu seinem Vornehmen. Die Erzählung Löhe's wird hier kürzer. Er sagt nicht, daß Fronto die Wächter trunken machte, sondern nur, „daß die Wachen nach reichlichem Weingenuß entschlafen seien.“ Er verschweigt, daß die Eselin, auf welche Fronto Kopf und Rumpf des Märtyrers lud, allein von einem Engel geführt auf unwegsamen Steigen nach dem Orte Malus ging — Fronto ließ, sagt er, „die Eselin vor sich her in aller Stille in die Burg Malus zurückgehen.“ Es scheint, als wenn weder das Thun des Fronto noch das schlüßliche Wunder mit der Eselin seinen Beifall gefunden habe. Aber mit welchem Rechte — nachdem er an allem Früheren, wozu der wunderbare Schluß der Erzählung vollkommen paßt, keinen Anstoß genommen? Wir nennen dieses eine principlose und willkürliche Ausscheidung, und meinen überdem, man brauche nicht einem beschränkten, ungläubigen Protestantismus zu huldigen, um an jenem Aufwande von Wundern zu dem Zwecke die Reliquien der Heiligen zu retten, irre zu werden. Es ist eine eben so oft gemachte als richtige Bemerkung, daß man aus den apokryphischen Berichten über das Leben Christi und der Heiligen des Neuen Testaments den Unterschied dieser apokryphischen und der neutestamentlichen Wundererzählungen lernen und von der Wahrheit der letzteren sich überzeugen könne. Wir fürchten, das Sensorium für diesen Unterschied und — gestehen wir es offen — die fröhliche Gewißheit des Glaubens an die Wahrheit der evangelischen Berichte muß zu Grunde gehen, wo man Legenden wie die von Theodot und den sieben Jungfrauen nacherzählen kann, ohne einen Zweifel an deren Glaubwürdigkeit aufkommen lassen zu wollen. Aehnlich liegen die Dinge bei Thekla, der heiligen Jüngerin Pauli (S. 278). Es ist wahr, daß „die größten Kirchenväter Gregor von Nyssa und Chrysostomus, Ambrosius, Augustin, Hieronymus u. s. w.“ des Beispiels der Thekla sehr rühmend gedenken. Und wir sind auch nicht gemeint, mit Ittig die Geschichte von der Thekla für eine pure Fabel zu halten. Aber um ihren Lebenslauf so zu erzählen, wie es Löhe thut, muß man auf Märtyreracten zurückgehen, von denen Löhe selbst bekennt, daß sie nicht echt seien. Und doch erzählt er ihn, indem er von demjenigen redet, „was Glauben verdiene und von alten Zeiten her verbürgt sei.“ Die Zeugnisse der obengenannten Kirchenväter können nicht dazu verwendet werden, den historischen Kern der Sage zu ermitteln: sie liegen zu weit ab oder sagen zu wenig oder fußen selbst auf der erdichteten Erzählung der Acten. So hat denn wohl Löhe selbst „mit prüfendem Verstande“ das „Verbürgte“ ausgewählt. Aber mit welcher Sicherheit kann man überhaupt Echtes und Unechtes in einer Erzählung scheiden, welche die Bekehrung der Thekla zu einem jungfräulichen Leben begründet sein läßt auf eine Rede Pauli, deren wesentlichstes Stück eine für