# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1860_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Aus der kirchlichen Gegenwart. Wir gewahren nicht, daß die Erzählung nach diesem Kanon bemessen ist. Wir wollen kein sonderliches Gewicht darauf legen, daß der Verfasser von der verwittweten Paula sagt, sie hätte sich eben so gut wie andere „einbilden“ können, daß sie ihr Vermögen, statt es lediglich zur Milderung fremden Elendes anzuwenden, im Interesse ihrer fünf Kinder verwalten und vermehren müsse. Wir begnügen uns dieser unbemessen so genannten „Einbildung“ gegenüber den Finger auf 1 Tim. 5, 8. zu legen. Aber um so entschiedener muß der Weise entgegengetreten werden, wie Löhe erzählt, daß Paula ihren Entschluß, der Welt sich zu entziehen, ausgeführt habe. Sie „drang mehr und mehr in die süße Heimlichkeit eines von der Welt abgeschiedenen gottverlobten Lebens ein. Zwar graute ihr allerdings vor dem Gedanken, ihre Kinder zu verlassen, da gerade sie mit einem größeren Grade mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit begabt war, als andere. Es war ihr, als sollte sie sich das Herz aus der Brust reißen, aber so war sie eben geführt, so gesinnt, so gewillt; für ihre Kinder schien in anderer Weise ganz wohl gesorgt werden zu können, während ihre eigene innere Vollendung ein völliges Absterben zu erfordern schien.“ So nahm sie denn von Allen Abschied, um im heiligen Lande bei ihrem Führer Hieronymus sich niederzulassen. Als sie sich einschiffte, „da streckte der junge Sohn Toxotius unter lautem bitteren Weinen seine Hände nach der scheidenden Mutter aus, Andere stimmten wie im Chore in sein Jammergeschrei ein, sie aber wandte ihre Augen vom Gestade ab und kehrte sie dem Himmel zu und dem Erlöser, welchem sie dies Opfer zu ihrer eignen Vollendung glaubte darbringen zu müssen.“ Also eine „Führung Gottes“ sollen wir darin erkennen, daß Paula so handelte. Nach welchem Kanon? Nach dem obigen, daß „der einen göttlichen Beruf hat, sich in der Aufgabe alles Zeitlichen zu üben, welchen Gott einsam macht, ihm die Seinen nimmt“? Aber Gott hat der Paula wohl ihren Gatten, aber nicht ihren Sohn Toxotius genommen, und wenn sie diesen verließ, so that sie es zwar, weil sie so „gesinnt, so gewillt“, wir meinen, selbstwillig so gesinnt war, nicht aber weil Gott sie so geführt hatte. Und ich denke, wir dürfen von einem Buche, welches geschrieben ist, „den Sinn der Nachfolge zu wecken,“ fordern, daß es dies sage und nicht bloß schließlich, „so sehr sich auch bei uns Licht und Zeit geändert hat, die heilige Kraft dieser Seele ehren und bewundern“ heiße. Wir nehmen um deswillen der heiligen Paula nichts von dem, was ihr von Rechtswegen zukommt, und wir verurtheilen sie nicht; aber wir sagen, daß jenes Thun der Paula Sünde gewesen sei, und wenn Gott sie zu Gnaden angenommen hat, so hat er es trotz derselben gethan, hat vielleicht auch, weil sie in guter Meinung sündigte, ihr fehlsames Thun in Gnaden für sie zum heilsamen Erfolg gewendet. Wir würden uns wiederholen müssen, wenn wir alle jene Stellen namhaft machen wollten, in denen der Verfasser der „Rosenmonate“ den gleichen Mangel eines nüchternen, evangelisch gegründeten Urtheils erkennen läßt. Er hat eben, vielleicht im Eifer gegen die „beschränkte und herbe protestantische Auffassung“, den festen Halt der Unterscheidung zwischen selbsterwähltem